Die bayerische Wohnungswirtschaft sieht dringenden Handlungsbedarf zur Wiederbelebung des Wohnungsbaus. Während des dreitägigen Fachkongresses „WohWi im Dialog“ des Verbands bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW Bayern) in Reit im Winkl wurden zentrale Impulse für die Branche diskutiert. Im Fokus standen die Vorstellung der neuen Wohnraumförderung durch Bauminister Christian Bernreiter sowie die Prioritäten bei der Vergabe von Rekordmitteln, die der Freistaat bereitstellt.
Verbandsdirektor Hans Maier betonte die Notwendigkeit, den Wohnungsbau wieder attraktiver zu gestalten, um den akuten Wohnraumbedarf zu decken. Als entscheidende Faktoren nannte er die Senkung der Baukosten sowie die Schaffung geeigneter politischer Rahmenbedingungen. Nach Einschätzung des VdW Bayern hat der Freistaat Bayern diesbezüglich bereits wichtige Schritte unternommen.
Einfaches Bauen und rechtliche Rahmenbedingungen
Bayern hat technische Anforderungen in der Wohnraumförderung reduziert und das Bauordnungsrecht vereinfacht. Durch 19 Pilotprojekte zum Gebäudetyp-e konnten praktische Erfahrungen im Bereich des einfachen Bauens gesammelt werden, wobei bei einzelnen Vorhaben eine Reduzierung der Bauwerkskosten von über 15 Prozent erzielt wurde. Eine breite Anwendung dieser vereinfachten Baustandards wird jedoch durch fehlende Rechtssicherheit auf Bundesebene behindert. Herr Maier hob hervor, dass die Bundesregierung hier in der Verantwortung stehe, einen rechtssicheren Rahmen zu schaffen und auf überflüssige Standards zu verzichten, unabhängig von der konkreten Bezeichnung der Bauweise.
Parallel dazu bleibt die Wohnraumförderung ein elementarer Bestandteil für die sozial orientierte Wohnungswirtschaft. Der Freistaat stellt für die Jahre 2026 und 2027 Rekordmittel bereit und wird das Fördersystem ab 2027 neu strukturieren. Der VdW Bayern begrüßt diese Investitionen, fordert jedoch eine langfristige Planungssicherheit für die Unternehmen. Die Wohnungswirtschaft benötigt eine kontinuierliche Förderung und auskömmliche Bedingungen, da Grundstückskäufe und Projektplanungen über Jahre hinweg erfolgen und eine Verlässlichkeit der grundlegenden Rahmenbedingungen unerlässlich ist.
Förderkontinuität und Marktmechanismen
Herr Maier unterstrich, dass eine Kombination aus Förderung und verbesserten Marktbedingungen den einzigen zielführenden Weg darstelle. Hierbei sollen steuerliche Anreize privates Kapital mobilisieren, niedrigere Standards die Baukosten reduzieren und verlässliche Förderprogramme den dauerhaften Bau bezahlbaren Wohnraums ermöglichen. Er merkte an, dass der Staat den Wohnungsmarkt nicht ersetzen könne, jedoch die Pflicht habe, die notwendigen Voraussetzungen für den Wohnungsbau zu schaffen.
Der Kongress „WohWi im Dialog“, der seit 60 Jahren in Reit im Winkl stattfindet, versammelte über 500 Vertreter aus Wohnungswirtschaft, Politik und Verwaltung. Die Veranstaltung widmete sich der zentralen Frage, wie der Wohnungsbau wiederbelebt werden kann, und bot eine Plattform für den Austausch über aktuelle Herausforderungen der Branche.














