Milliardenschwere Investitionen in die europäische Verteidigung wirken sich spürbar auf den Markt für Industrie- und Produktionsimmobilien aus. In ihrem aktuellen Bericht „Future Flows: Global Dynamics & European Industrial Real Estate“ identifiziert die Immobiliengesellschaft Cushman & Wakefield für den Zeitraum von Anfang 2024 bis August 2026 insgesamt 197 neue Projekte im europäischen Defence-Sektor.
Die Industrie reagiert damit auf ein verändertes sicherheitspolitisches Umfeld und baut Kapazitäten für eine hochvolumige Produktion auf. Mehr als die Hälfte der erfassten Vorhaben (54 Prozent) entfällt auf neue Anlagen. Davon betreffen über 36 Prozent Neubauprojekte, während gut 17 Prozent auf Anmietungen, Erwerbe oder Umnutzungen bestehender Gebäude entfallen. Die verbleibenden 46 Prozent betreffen Erweiterungen existierender Produktionsstätten.
Kernmärkte in Großbritannien, Deutschland und Frankreich
Mehr als 40 Prozent aller erfassten Projekte — zusammen über 80 Vorhaben — konzentrieren sich auf das Vereinigte Königreich, Deutschland und Frankreich. Dahinter folgen unter anderem Spanien, Polen, Italien, Schweden, die Türkei, Belgien und die Niederlande mit jeweils länderspezifischen Schwerpunkten. Nach Einschätzung von Sally Bruer, Head of EMEA Logistics & Industrial Research bei Cushman & Wakefield, unterscheidet sich die aktuelle Dynamik von früheren Zyklen: Der Flächenbedarf beschränkt sich nicht mehr auf wenige Großkonzerne, sondern erfasst zunehmend die gesamte industrielle Zulieferkette.
In Deutschland wurden 27 Projekte mit einem Flächenvolumen von rund 500.000 Quadratmetern an Produktions- und Logistikgebäuden registriert. Beteiligt sind namhafte Unternehmen wie Rheinmetall, KNDS, Thales Group, CSG, Diehl und Quantum. Die Vorhaben verteilen sich auf unterschiedliche Segmente des Verteidigungssektors:
- —Fünf Projekte im Bereich Artillerie und Munition
- —Jeweils vier Projekte für Luft- und Wasserfahrzeuge sowie für Systeme und Komponenten
- —Jeweils drei Vorhaben in den Segmenten Drohnen und autonome Fahrzeuge, Fahrzeugbau sowie Waffen, ergänzt um vier weitere Vorhaben außerhalb dieser Kategorien
Flächenprofile und Perspektiven für Bestandsimmobilien
Die am häufigsten nachgefragte Gebäudegröße liegt zwischen 10.000 und 25.000 Quadratmetern, wobei der Durchschnittswert bei Neubauten rund 20.000 Quadratmeter beträgt. Rainer Koepke, Head of Logistics & Industrial Agency Germany bei Cushman & Wakefield, verweist darauf, dass die Nachfrage primär von Eigennutzern aus der Fertigung getrieben wird. Bei weniger sensiblen Erzeugnissen seien vereinzelt auch nutzerspezifische Anmietungen sowie spekulative Neubauten oder freiwerdende Flächen aus dem Automotive-Sektor von Interesse.
Europäische Bestrebungen, Lieferketten zu sichern und Produktionskapazitäten im eigenen Wirtschaftsraum zu bündeln, dürften den Bedarf an Industrieimmobilien mittelfristig stützen. Da ein relevanter Teil der Nachfrage über konventionelle Immobilienstrukturen bedient werden kann, eröffnet die Entwicklung Perspektiven für Repositionierungen und Neubauprojekte gleichermaßen.














