Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult (IW Consult) hat im Auftrag von WirtschaftsWoche und ImmoScout24 die 71 deutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern untersucht. Grundlage des Städtevergleichs sind mehr als 100 Indikatoren, aufgeteilt in ein Niveauranking zur aktuellen Lage, ein Dynamikranking zur Fünfjahresentwicklung sowie einen gesonderten KI-Index zur regionalen Verankerung Künstlicher Intelligenz.
München verteidigt seine Position als stärkster Großstadtstandort Deutschlands. Im Niveauranking belegt die bayerische Landeshauptstadt in den Teilbereichen Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt und Lebensqualität jeweils den ersten Rang und erreicht im Bereich Wirtschaft Rang 2. Auf den nachfolgenden Plätzen liegen Frankfurt am Main, Stuttgart, Ingolstadt und Erlangen. Das Ergebnis spiegelt zugleich spezifische Standortbelastungen wider: In München sind die Miet- und Kaufpreise für Wohnraum höher als in allen anderen 70 Städten, zudem entstehen erhebliche Zeitverluste im Straßenverkehr.
Frankfurt am Main führt Fünfjahresdynamik an
Im Dynamikranking verbucht Frankfurt am Main das beste Resultat seiner Rankinggeschichte und rückt auf Platz 1 vor. Maßgeblich hierfür ist der erste Rang im Bereich Wirtschaft sowie Platz 3 auf dem Arbeitsmarkt. Hinter Frankfurt folgen Düsseldorf, Berlin, München und Offenbach am Main. Die deutlichsten Positionsgewinne gegenüber dem Vorjahr erzielten Trier mit einem Aufstieg um 26 Ränge, Fürth mit einem Zuwachs von 19 Plätzen sowie Karlsruhe mit einem Sprung um 18 Positionen.
Auf lange Sicht weisen Bochum und Kiel die stärkste Aufholbewegung auf. Beide Städte verbesserten sich im Zehnjahresvergleich um elf Plätze, wobei Bochum insbesondere bei der Beschäftigung und auf dem Immobilienmarkt zulegen konnte. Dr. Gesa Crockford, Geschäftsführerin von ImmoScout24, betonte hierzu, dass Standortqualität aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren entstehe. München überzeuge durch ein geschlossenes Gesamtpaket, Frankfurt durch besondere Dynamik und Bochum als Beleg für einen langfristig messbaren Strukturwandel.
KI-Index: München vorn, Erlangen und Karlsruhe stark
Den neu erhobenen KI-Index führt München ebenfalls an. Ausschlaggebend sind Spitzenwerte bei der Dichte von KI-Startups, beim Anteil von Stellenanzeigen mit KI-Bezug sowie bei Digitalisierungs-Patentanmeldungen und digitalen Vorreiterunternehmen. Auf den Rängen 2 und 3 folgen Erlangen und Karlsruhe. Das rund 116.000 Einwohner zählende Erlangen belegt bei den Digitalisierungs-Patenten mit großem Vorsprung Rang 1, gestützt durch die Verbindung von Künstlicher Intelligenz und medizinischer Forschung.
Karlsruhe sichert sich Platz 2 bei der Startup-Dichte und Rang 3 bei themenbezogenen Stellenangeboten, getragen vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und dem Digital Hub angewandte Künstliche Intelligenz. Hinter den Spitzenreitern folgen Stuttgart, Heidelberg, Frankfurt am Main, Darmstadt, Berlin, Düsseldorf und Bonn. Die Erhebung zeigt, dass für regionale Technologieökosysteme nicht primär die Stadtgröße entscheidend ist, sondern die institutionelle Vernetzung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft.














