In der hessischen Gemeinde Steinau an der Straße ist ein neues Kühllogistikzentrum für den Milchverarbeiter Lactalis in Betrieb genommen worden. Der Kontraktlogistiker ID Logistics betreibt die Anlage und hat diese in Zusammenarbeit mit Scannell Properties über einen Zeitraum von drei Jahren realisiert. Die niederländische Marke Leerdammer ist die erste der Lactalis Gruppe, deren Produkte dort eingelagert werden. Mit einer geplanten Fertigstellung im zweiten Quartal 2027 wird das Zentrum seine volle Betriebskapazität erreichen.
Die Logistikimmobilie umfasst eine Gesamtfläche von 33.000 Quadratmetern, aufgeteilt in drei Hallen. Zwei dieser Hallen, die insgesamt 22.000 Quadratmeter umfassen, sind für Frischprodukte vorgesehen und werden konstant auf einer Temperatur von zwei bis fünf Grad Celsius gehalten. Die dritte Halle ist derzeit noch extern verfügbar. Tiago Lopes, Supply Chain Director Lactalis Deutschland, äußerte, dass die Investition in das Kühllager eine gezielte Maßnahme zur Zukunftssicherung des Geschäfts und ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland darstelle. Die geografisch vorteilhafte Lage ermögliche eine Bündelung von Lieferströmen, eine Reduzierung von Transportwegen und die Schaffung zusätzlicher Kapazitäten, was die Effizienz und Nachhaltigkeit der Supply Chain verbessere.
Strategische Partnerschaft und Prozessoptimierung
Robin Otto, CEO von ID Logistics Deutschland, erläuterte anlässlich der Eröffnung die Doppelrolle seines Unternehmens bei diesem Projekt. Neben dem Betrieb des Standorts als Kontraktlogistiker war ID Logistics maßgeblich an der passgenauen Entwicklung der Immobilie beteiligt – von der Standortwahl über die Gebäudekonzeption bis zur kundenspezifischen Intralogistik. Diese Kooperation stellt eine Fortführung einer bestehenden Partnerschaft dar, da ID Logistics bereits drei Kühllogistikstandorte für Lactalis in den Vereinigten Staaten betreibt. Tiago Lopes hob hervor, dass die dort gesammelten Erfahrungen maßgeblich in die Logistikprozesse des neuen Standorts eingeflossen seien und sich bereits positiv in der Aufbau- und Anlaufphase gezeigt hätten.
Nach einer sukzessiven Ramp-up-Phase werden voraussichtlich ab Mai 2027 etwa 40 Lactalis-Werke aus Europa das Logistikzentrum beliefern. Das Artikelspektrum wird dann über 900 Produkte umfassen, darunter bekannte Marken wie Salakis, Galbani, Kraft, Haydi, MinusL und Frankenland. Eingehende Bestellungen werden täglich vom IT-System von Lactalis an das WMS-System von ID Logistics übertragen, im Zweischichtbetrieb kommissioniert und am Folgetag für die Auslieferung an den deutschen Groß- und Einzelhandel bereitgestellt. Das Zentrum bedient bis zu 1.200 Destinationen, wobei täglich bis zu 2.000 Paletten im Wareneingang und -ausgang umgeschlagen werden. Hierfür stehen 22 flexibel nutzbare Rampen zur Verfügung, und ein digitales Slot- und Yard-Management steuert die Lieferverkehre. Diese Maßnahmen, so Lopes, sollen Wartezeiten für Lkw-Fahrer minimieren und tragen dazu bei, den Fahrermangel zu adressieren.
Nachhaltigkeit und Kapazitätserweiterung
Durch die Errichtung des zentralen Warenlagers entstehen in Steinau 80 neue Arbeitsplätze, von denen bereits 30 besetzt sind. Das ID-Logistics-Team wird schrittweise weiter aufgebaut, insbesondere für die Bereiche Kommissionierung, Wareneingang und Staplerbetrieb. Die zukunftsweisende Logistikstruktur ist durch eine konsequent nachhaltige Ausrichtung geprägt. Jan Imfeld, Country Head Germany bei Scannell Properties, betonte, dass es besonders anspruchsvoll gewesen sei, eine energieeffiziente und ökologische Lösung für die durchgehenden Kühllagerflächen dieser Dimension zu schaffen. Zum Einsatz kommt eine Kühlanlage auf Ammoniakbasis, die die Temperatur konstant hält. Das Heizsystem wird über die Abwärme der Kühlanlage gespeist, und eine 2-Megawattpeak-Photovoltaikanlage auf dem Dach versorgt das Lager mit Strom. Die Immobilie zeichnet sich zudem durch eine CO2-reduzierte Konstruktion, eine Wärmepumpe und E-Ladestationen aus.
Lopes erläuterte die Bedeutung für Lactalis: Der neue Logistikstandort unterstützt die Mission der Lactalis Gruppe, bis 2050 weltweit und entlang der gesamten Wertschöpfungskette CO2-neutral zu werden. Sowohl die Gebäudetechnik als auch die Bündelung von Lieferströmen tragen zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks bei. Bereits bei der Konzeption der Logistikimmobilie wurden Möglichkeiten zur bedarfsgerechten Kapazitätserweiterung berücksichtigt. Robin Otto ergänzte, dass innerhalb der beiden Lactalis-Hallen zusätzliche Flächen für künftiges Wachstum eingeplant wurden. Die dritte Halle mit 11.000 Quadratmetern schafft dabei Raum für Flächenflexibilität und Synergiepotenziale.













