Die europäischen Immobilieninvestmentmärkte weisen im Jahr 2026 erhebliche regionale Diskrepanzen auf. Wie aus dem aktuellen Marktbericht „EMEA Capital Markets Snapshot Q3 2026“ des Beratungsunternehmens Colliers für 18 europäische Länder hervorgeht, verläuft die Marktbelebung keineswegs flächendeckend. Während mehrere Märkte deutliche Zuwächse verzeichnen, bleibt das Transaktionsgeschehen in Deutschland von Zurückhaltung geprägt.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 belief sich das gehandelte Volumen in Deutschland auf 21,6 Milliarden Euro, was einem Rückgang von neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Das Haupthemmnis stellt dabei laut Michael R. Baumann, Head of Capital Markets Germany bei Colliers, nicht fehlende Liquidität dar, sondern die anhaltend komplexe Preisfindung zwischen Käufern und Verkäufern sowie strenge Finanzierungsanforderungen. Internationale Akteure zeigen zwar wieder Interesse, knüpfen Engagements jedoch an eng gefasste Risiko-Rendite-Profile. Für das vierte Quartal stellt Colliers eine selektive Belebung in Aussicht, bevor 2027 der wachsende Handlungsdruck auf Eigentümer und finanzierende Banken die Aktivität breiter stimulieren dürfte.
Kräftiges Transaktionswachstum in Südeuropa und Polen
Ein gänzlich anderes Bild vermitteln ausgewählte europäische Nachbarmärkte, an denen das Transaktionsvolumen im selben Zeitraum spürbar anzog:
- —In Spanien wuchs das Transaktionsvolumen um 28,2 Prozent auf rund 16,8 Milliarden Euro, maßgeblich getragen von Wohnimmobilien (5,9 Milliarden Euro), Hotels (3,3 Milliarden Euro) und Einzelhandelsflächen (2,6 Milliarden Euro).
- —Polen verzeichnete einen Zuwachs von 90 Prozent auf mehr als 4,8 Milliarden Euro, wobei insbesondere Logistik- und Einzelhandelsimmobilien die Zuwächse antrieben.
- —In Irland kletterte das Anlagevolumen um 34 Prozent auf 2,16 Milliarden Euro.
- —Schweden registrierte ein Plus von 25 Prozent auf umgerechnet rund 13 Milliarden Euro.
Luke Dawson, Head of Global & EMEA Capital Markets bei Colliers, betont, dass vorhandenes Kapital zunehmend zielgerichtet allokiert wird. Investoren fokussieren sich auf Segmente mit stabilen Cashflows, belastbaren Fundamentaldaten und langfristigen Perspektiven, wobei größere Portfolios und institutionelle Plattformen an Bedeutung gewinnen.
Gefragte Anlageklassen: Rechenzentren, Wohnungsbau und Logistik
Zu den stärksten Wachstumstreibern zählen Rechenzentren, befeuert durch den Ausbau digitaler Infrastrukturen und künstlicher Intelligenz. Die Kapazität in der EMEA-Region beläuft sich auf rund 12,5 Gigawatt. Die vertraglich gesicherte Colocation-Kapazität für KI-Anwendungen stieg im ersten Halbjahr 2026 europaweit auf 420 Megawatt, nach 89 Megawatt im ersten Halbjahr 2025. Da etablierte Hubs wie Frankfurt, London, Amsterdam und Dublin unter begrenzten Stromnetzanschlüssen und langwierigen Planungsverfahren leiden, rücken Ausweichstandorte wie Madrid, Mailand, Lissabon und die nordischen Länder nach.
Wohnimmobilien profitieren europaweit vom strukturellen Mangel an Wohnraum und hoher Mieternachfrage; institutionelle Engagements konzentrieren sich auf Portfolios, speziell konzipierte Mietwohnungen und studentisches Wohnen. Industrie- und Logistikflächen verzeichnen dank stabiler Mieten, geringer spekulativer Bautätigkeit sowie Impulsen aus Lieferkettenanpassungen und Fertigungsansiedlungen anhaltendes Interesse. Im Bürosegment liegen Core-Plus- und Value-Add-Konzepte in erstklassigen Lagen im Fokus, während bei Handelsimmobilien lebensmittelgeankerte Fachmarktzentren und Supermärkte favorisiert werden.












