In der baden-württembergischen Gemeinde Immendingen erreicht der Neubau des Einsatz- und Trainingszentrums (ETZ) für die Bundeszollverwaltung einen ersten baulichen Meilenstein. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) feierte gemeinsam mit dem beauftragten Totalunternehmer Goldbeck das sogenannte Stützenfest. Mit dem Setzen der ersten tragenden Elemente der Gebäudestruktur liegt das Vorhaben exakt im vorgesehenen Zeitplan. Nach Abschluss eines EU-weiten Vergabeverfahrens verantwortet das Bau- und Dienstleistungsunternehmen Goldbeck die schlüsselfertige Realisierung inklusive Planung und Ausführung. Die Übergabe des 13.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche umfassenden Komplexes an die Generalzolldirektion ist für Ende 2028 avisiert.
Spezifisches Raumprogramm für realitätsnahe Einsatzszenarien
Das Trainingszentrum gliedert sich in drei zentrale Baukörper: ein Einsatztrainingsgebäude, eine moderne Raumschießanlage sowie eine Zwei-Feld-Sporthalle. Hinzu kommen integrierte Verwaltungs- und Besprechungsräume. Künftig wird das Areal dem Hauptzollamt Singen zugeordnet sein. Wie dessen Leiter Rainer Bühler erläutert, schafft der Neubau die Grundlage für Fortbildungen unter realistischen Bedingungen, wodurch die Eigensicherung der Einsatzkräfte im Vollzugsdienst gewährleistet wird. Im Trainingsgebäude lassen sich Übungssituationen in nachgebildeten Gastronomie-, Wohn- und Kfz-Bereichen abbilden. Spezielle Laufstege vier Meter oberhalb der Trainingsflächen dienen dem Lehrpersonal zur Überwachung der Einheiten. Die Schießanlage verfügt über drei Stände mit zeitgemäßer Projektions- und Messtechnik.
Architektonisch sind die Außenfassaden mit einer Kombination aus Holz und Aluminium-Lisenen gestaltet. Zur signifikanten Beschleunigung der Bauabläufe und zur Kostenoptimierung setzen Bauherrin und Auftragnehmer auf einen standardisierten Bautypus. Cornelia Kessler, Leiterin der Freiburger BImA-Hauptstelle Facility Management, hebt hervor, dass von der Standortentscheidung vor rund einem Jahr bis zum Baurecht und der Genehmigung nur kurze Zeit verging. Das Projekt belege die Leistungsfähigkeit des seriellen Bauens im öffentlichen Sektor. Wesentliche Bauelemente werden industriell vorgefertigt und vor Ort montiert, wodurch laut Georg Steinweg, Geschäftsführer der Goldbeck Süd GmbH, elf vergleichbare Trainingszentren bundesweit wirtschaftlich realisiert werden können.
Nachhaltigkeitsstandards und bundesweite Standortübersicht
Das Bauprogramm folgt dem Energieeffizienzstandard EGB 40 und strebt das Silber-Zertifikat im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude (BNB) an. Zur Energieversorgung dienen Photovoltaikanlagen auf Dach- und Fassadenflächen sowie auf Solar-Carports. Die Anlagen sind so dimensioniert, dass sie im Jahresschnitt mehr Strom erzeugen als im Komplex benötigt wird. Ein bemerkenswertes Detail stellen die inneren Trockenbauwände dar: Sie bestehen aus vorgefertigten Modulen aus gepresstem Stroh, wodurch herkömmliche Gipskartonwände vermieden werden. Begrünte Dach- und Wandflächen unterstützen das Mikroklima und die natürliche Kühlung.
- —Laufende Bauarbeiten: Neben Immendingen befinden sich sieben weitere Standorte fristgerecht im Bau, darunter Kümmersbruck in Bayern, Eppingen in Baden-Württemberg sowie Beckum und Heiligenhaus in Nordrhein-Westfalen.
- —Weitere Bundesländer im Hochbau: Auch in Chemnitz (Sachsen), Königs Wusterhausen (Brandenburg) und Walsrode (Niedersachsen) wachsen die Gebäudestrukturen bereits.
- —Standorte in Bauvorbereitung: An den drei Stützpunkten Garching bei München, Griesheim in Hessen sowie Neumünster in Schleswig-Holstein laufen vorbereitende Maßnahmen.
Für Immendingen bedeutet die Realisierung einen spürbaren Ausbau der kommunalen Infrastruktur. Bürgermeister Manuel Stärk würdigt die Standortentscheidung als bedeutendes Zukunftssignal des Bundes für die Gemeinde. Die zügige behördliche Abwicklung und der sichtbare Fortschritt unterstreichen das Potenzial modularer Systembauweisen bei spezialisierten Großimmobilien der öffentlichen Hand.














