Der ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. hat den von der Bundesnetzagentur initiierten Reformansatz zur Allgemeinen Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) grundsätzlich positiv bewertet. Gleichwohl weist der Verband auf konkrete Erfordernisse zur Nachbesserung hin, um die Transformation des Energiesystems im Immobiliensektor nicht zu gefährden. Der ZIA sieht in der AgNes-Reform eine zentrale Weichenstellung, die über die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Investitionen in Photovoltaik-Anlagen, Energiespeicher, Wärmepumpen, Ladeinfrastrukturen und umfassende Quartierslösungen entscheidet.
Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des ZIA, hob hervor, dass die AgNes-Reform über eine reine Neugestaltung der Netzkostenverteilung hinausgehen müsse. Es bestünden erhebliche Bedenken hinsichtlich der potenziellen Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit dieser essenziellen Investitionen. Die zunehmende Rolle von Gebäuden und Quartieren als aktive Teilnehmer am Energiesystem, die nicht mehr ausschließlich als Stromverbraucher agieren, sondern Energie erzeugen, speichern und steuern, erfordere eine entsprechend angepasste Systematik. Eine verursachungsgerechte Verteilung der Netzkosten sowie eine stärkere Berücksichtigung der Netznutzung seien grundsätzlich korrekte Ansätze, dürfen jedoch Investitionen nicht behindern, sondern müssen diese ermöglichen.
Zentraler Netzanschlusspunkt und Koordination mit PV-Pflichten
Der ZIA spricht sich für eine stärkere Kostenbeteiligung von Prosumern aus, sofern diese nicht zu einer Benachteiligung von Mieterstrommodellen, gemeinschaftlichen Gebäudeversorgungen oder Quartierslösungen führt. Als maßgebliches Kriterium wird der Netzanschlusspunkt genannt. Bei gemeinsamen Anschlüssen von Gebäuden oder Arealen dürfe es nicht zu mehrfachen Aufschlägen kommen. Darüber hinaus betont der Verband die Notwendigkeit, landesrechtliche Photovoltaik- und Elektrifizierungspflichten mit den bundesweiten Netzentgeltregeln zu synchronisieren. Aygül Özkan betonte, dass die Verpflichtung von Eigentümern zum PV-Ausbau nur dann sinnvoll sei, wenn Netzkapazitäten, Anschlussprozesse und die wirtschaftliche Vermarktung des erzeugten Stroms entsprechend abgestimmt sind.
Digitalisierung als Grundvoraussetzung
Die Implementierung dynamischer Entgelte, die Entwicklung von Flexibilitätsmärkten und die Steuerung von Anlagen erfordern eine umfassende digitale Infrastruktur. Der ZIA sieht in einem beschleunigten Smart-Meter-Rollout und einer weitreichenden Digitalisierung der Prozesse eine unabdingbare Voraussetzung für die volle Wirksamkeit der AgNes-Reform. Ohne diese grundlegenden Fortschritte bliebe das Potenzial von AgNes ungenutzt.
Die Hauptgeschäftsführerin des ZIA führte abschließend aus, dass AgNes als entscheidender Baustein für die Energiewende fungieren kann. Dies gelingt jedoch nur, wenn die Reform eine faire Kostenverteilung gewährleistet, Investitionen schützt und Flexibilität praktikabel nutzbar macht. Dafür seien praxistaugliche Regeln, verlässliche Netzanschlüsse und eine Regulierung erforderlich, die sowohl Bundes- als auch Landesvorgaben kohärent zusammenführt und damit die Gebäudewende wirkungsvoll unterstützt.














