Die Anzahl der Haushalte in Deutschland, die in selbstgenutztem Wohneigentum leben, befindet sich in einem kontinuierlichen Rückgang. Dieses Ergebnis geht aus einer aktuellen Wohnungsmarkt-Untersuchung des Pestel-Instituts hervor. Die Studie mit dem Titel „Soziale Aspekte des Wohneigentums“ wurde im Auftrag der Stiftung „bauen – wohnen – leben“, einer Unternehmensstiftung der Bausparkasse Schwäbisch Hall, erstellt. Nach Angaben des Instituts liegt die Wohneigentumsquote in Deutschland derzeit bei lediglich 43,5 Prozent, dem niedrigsten Wert der letzten zwanzig Jahre. Dies positioniert Deutschland im EU-Vergleich am unteren Ende der Skala.
Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, betont, dass die Hürden für den Erwerb von Wohneigentum signifikant gestiegen sind. Haushalte mit unteren und mittleren Einkommen sehen sich zunehmend mit Schwierigkeiten konfrontiert, ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung zu finanzieren. Selbst in Regionen, in denen Kaufpreise stagnieren oder sinken, sei es für Doppelverdiener mit Durchschnittseinkommen kaum möglich, Wohneigentum zu erwerben. Günther kritisiert zudem die aktuelle Förderpolitik: Der Bund habe die Förderung von Wohneigentum extrem reduziert, während es im Mietwohnungsbereich weiterhin Möglichkeiten zur Abschreibung und zum Absetzen von Schuldzinsen gebe. Dies führe zu einer erheblichen Schieflage, die er als Diskriminierung der Wohneigentumsanschaffung beschreibt.
Forderung nach einem „Wohneigentumsplan des Bundes“
Das Pestel-Institut schlägt angesichts dieser Entwicklung einen „Wohneigentumsplan des Bundes“ vor. Dieser Plan soll Quoten als Zielmarken für die zukünftige Wohneigentumsentwicklung in Deutschland definieren, um eine weitere Vernachlässigung durch aktuelle und kommende Bundesregierungen zu verhindern. Ziel ist es, den Abwärtstrend der Eigentumsquote zu stoppen und umzukehren. Konkret wird gefordert, jährlich mindestens 200.000 Haushalten zusätzlich die Möglichkeit zu verschaffen, erstmals selbstgenutztes Wohneigentum zu erwerben. Dies würde die Wohneigentumsquote schrittweise um etwa 0,3 Prozentpunkte pro Jahr erhöhen und perspektivisch eine Quote von 50 Prozent erreichen.
Matthias Günther stellt klar, dass es dabei nicht ausschließlich um Neubau geht; auch der Erwerb bestehender Eigentumswohnungen und Eigenheime ist Teil dieser Strategie. Langfristig soll Deutschland „vom Mieter- zum Eigentümerland“ werden. Mike Kammann, Vorsitzender des Kuratoriums der Schwäbisch Hall-Stiftung „bauen – wohnen – leben“ und Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall, ergänzt, dass eine höhere Eigentumsquote von 50 Prozent und mehr, wie sie in Ländern wie Österreich, den Niederlanden oder Schweden existiert, zu mehr sozialer Stabilität führen würde. Zudem entlaste eine Zunahme des Wohneigentums den angespannten Mietmarkt. Die sinkende Wohneigentumsquote wird als Alarmsignal interpretiert, das der Staat nicht ignorieren dürfe.
Wohneigentum als soziale Frage und Altersvorsorge
Das Wohnen hat sich laut Matthias Günther längst zu einer sozialen Frage entwickelt. Die Schwierigkeit für breite Bevölkerungsschichten, die trotz Vollzeitbeschäftigung finanziell keinen Zugang zu Wohneigentum finden, erzeuge Unmut und verstärke die Ungleichheit bei der Vermögensverteilung. Besonders die „Nestbauer-Generation“ sei betroffen, da fast drei Viertel der 25- bis 45-Jährigen zur Miete wohnen und Wohneigentum für sie oft unerreichbar bleibe. Mike Kammann spricht von einer „Generation Miete“, deren Situation die Politik dringend adressieren müsse. Er weist darauf hin, dass Wohneigentum selbst bei durchschnittlichen Einkommen oft nur durch familiäre Unterstützung, wie ein vorgezogenes Erbe, möglich sei, was nicht im gesamtgesellschaftlichen Interesse liege.
Darüber hinaus stellt Wohneigentum nach Ansicht des Pestel-Instituts einen wesentlichen Baustein der Altersvorsorge dar. Steigende Mieten belasten Seniorenhaushalte zunehmend und können ältere Menschen in die Altersarmut drängen. Günther bezeichnet Altersarmut als Mieterarmut, da im Alter ein sinkendes Renteneinkommen auf steigende Wohnkosten trifft. Die Zahl der Älteren, die auf Grundsicherung angewiesen sind, habe sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt. Kammann fordert daher die Bundesregierung auf, die Förderung von Wohneigentum zu einem Schwerpunkt ihrer Wohnungspolitik zu machen. Wohnen dürfe kein Luxus sein, und Personen mit durchschnittlichem Einkommen müssten eine realistische Chance auf Wohneigentum erhalten, wozu auch die frühzeitige Bereitschaft zum Aufbau von Eigenkapital gehöre.














