Am neuen Standort des IT-Dienstleisters Bechtle in Neu-Ulm ist eine außergewöhnliche Begrünungsmaßnahme umgesetzt worden: Die Außenwände des dortigen Parkhauses wurden auf einer Fläche von 1.600 Quadratmetern mit echtem Moos versehen. Die Planung der Anlage lag in den Händen von Architekt und KREOR-Südwest-Geschäftsführer Bernd Dollmann aus Neckarsulm. Hintergrund der Maßnahme war unter anderem die Baugenehmigung für das Parkhaus, deren Erteilung an eine grüne Fassadengestaltung gekoppelt war.
Funktionsweise und bauphysikalische Eigenschaften
Für die Ausführung zeichnet der sächsische Hersteller MoosMoos verantwortlich. Wie Raphael Marquardt von der planenden KREOR Südwest GmbH erläutert, stand bei der Konzeption im Vordergrund, dass die Konstruktion über Jahre hinweg vollständig pflegefrei bleibt. Das organische Material wird hierfür vorab präpariert, mittels Spezialkleber auf Aluminiumplatten montiert und anschließend in Stahlelemente eingesetzt. Vor dem Einsatz an Gewerbebauten wurden Belastungstests im eigenen Garten, in Hochkössen auf 1.300 Metern Höhe sowie auf einem Hausdach auf Mallorca durchgeführt.
Die bauphysikalischen Werte bieten funktionale Vorteile für das Gebäudeumfeld: Moos kann bis zu acht Liter Wasser je Quadratmeter binden und zeitversetzt verdunsten lassen, wodurch ein natürlicher Kühleffekt entsteht. Zudem wirkt die Fläche als Schallschutzwand, absorbiert Sonneneinstrahlung und regeneriert sich eigenständig. Auf Außenflächen gewährt das Unternehmen eine Garantie von mindestens sechs Jahren, während für Innenräume lebenslange Garantien gelten.
Herstellerstruktur und weitere Standorte in Bayern
MoosMoos-Geschäftsführer Andreas Bergermann baute das Unternehmen von einem Nachwende-Betrieb für Grabgestecke zu einem Anbieter für Mooswandbilder um, der seit 2021 als Marktführer in diesem Segment agiert. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 70 Mitarbeiter in Deutschland und Lettland. Die Rohware wird in Lettland, Polen, der Ukraine sowie Skandinavien gesammelt und im sächsischen Oppach verarbeitet. Rund 80 Prozent der Abnehmer stammen aus dem DACH-Raum.
Neben der Anlage in Neu-Ulm beherbergt Bayern ein weiteres Referenzprojekt: Am EDEKA-Markt von Christos Didis in Kürnach bei Würzburg wurde eine 160 Quadratmeter große Mooswand realisiert. Sven Schemann, Regionalleiter Expansion und Immobilienmanagement bei der EDEKA Unternehmensgruppe Nordbayern-Sachsen-Thüringen, passte die Bauplanung entsprechend an. Auch René Wohlfart, Bürgermeister von Kürnach, hob die städtebauliche Einfügung des Marktes in das landwirtschaftlich geprägte Umfeld hervor.
- —1.600 Quadratmeter Moosfassade am Bechtle-Parkhaus in Neu-Ulm
- —Wasserspeichervermögen von bis zu acht Litern pro Quadratmeter mit Verdunstungskühlung
- —Mindestens sechs Jahre Herstellergarantie für den Außenbereich ohne laufenden Pflegeaufwand
- —Weiteres Referenzobjekt mit 160 Quadratmetern Fläche am EDEKA-Markt Kürnach













