Die Hälfte der Vorstände der 264 Volks- und Raiffeisenbanken im Genoverband e.V. hat in ihren regionalen Märkten einen dringenden Bedarf an neuem Wohnraum durch zusätzliche Wohnungsfertigstellungen konstatiert. Diese Einschätzung deutet auf eine deutliche Wohnraumlücke im gesamten Verbandsgebiet hin, die nicht ausschließlich auf Metropolregionen beschränkt ist, sondern flächendeckend existiert.
Staatliche Förderprogramme und Förderbanken erweisen sich nach Einschätzung der Bankenvertreter nur bedingt als hilfreich. 68 Prozent der Befragten gaben an, dass der Prozess zur Beantragung von Förderungen aktuell zu kompliziert sei, während 62 Prozent die Dauer der Bearbeitung als zu lang bemängelten. Zusätzlich kritisierten 54 Prozent der Banken die hohen personellen und organisatorischen Kosten, die für die Abwicklung von Fördermaßnahmen anfallen.
Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzender des Genoverbands, hob hervor, dass es dringend notwendig sei, den Neubau-Stau aufzulösen. Er forderte eine optimale wohnwirtschaftliche Förderung. Obgleich 54 Prozent der Banken die Unterstützung durch staatliche Programme für private Wohnungsbaufinanzierungen als hilfreich einstufen, bewertete jeweils etwa ein Viertel der Befragten diese als neutral oder nicht hilfreich. Hoeck äußerte den Wunsch, dass nahezu alle Banken die Förderung positiv beurteilen sollten, da hier noch erhebliches Potenzial zur Verbesserung bestehe.
Diese Einschätzung spiegelt sich darin wider, dass 30 Prozent der Banken sogar eine extreme Position einnehmen, indem sie vorschlagen, gänzlich auf Fördermaßnahmen zu verzichten und stattdessen die Grunderwerbssteuer abzuschaffen. Hoeck kommentierte dies mit dem Hinweis, dass de facto beides erforderlich sei: eine signifikant verbesserte Förderung und die Abschaffung dieser Steuer.
Transparenz bei Finanzierungskriterien
Im Rahmen der Umfrage wurden die Banken zudem gebeten, die wichtigsten Kriterien für die Kreditvergabe zu ranken. Dies soll potenzielle Immobilienkäufer dabei unterstützen, die relevanten Faktoren für eine Finanzierungsentscheidung besser zu verstehen. Herr Hoeck betonte, dass durch solche Transparenz die Hemmschwelle zur Finanzierungsanfrage gesenkt werden könne, da die Befürchtung, einen Immobilienwunsch für unrealistisch zu halten, oft unbegründet sei. Eine Kenntnis der Prüfkriterien erhöhe die Chancen auf einen erfolgreichen Kreditabschluss.
- —Einschätzung der Kreditfähigkeit des Käufers: 76 Prozent der Banken nannten dies als das wichtigste Kriterium.
- —Zuverlässigkeit des Kreditnehmers / Bisheriges Zahlungsverhalten: An zweiter Stelle positioniert.
- —Höhe des vorhandenen Eigenkapitals der Darlehensnehmer: Folgt an dritter Stelle.
- —Attraktivität der Immobilie: Rangiert auf Platz vier der Kriterien.
Das Ranking verdeutlicht, dass persönliche Faktoren wie Kreditfähigkeit und die wahrgenommene Zuverlässigkeit, oft basierend auf einer bestehenden Kundenbeziehung, vor der Attraktivität der Immobilie und der Höhe des Eigenkapitals rangieren. Dies, so Hoeck, sei insbesondere im genossenschaftlichen Geschäftsmodell von Vorteil, da Banken ihre Kunden, teils langjährige Mitglieder, sowie die regionalen Immobilienmärkte genau kennen. Das Baufinanzierungsgeschäft sei bei den Volks- und Raiffeisenbanken beratungsintensiv, wovon beide Seiten durch fundierte Entscheidungen profitieren.
Bürokratische Belastungen und politische Unsicherheiten
Die Bankvorstände äußerten auch Bedenken hinsichtlich veränderter regulatorischer und politischer Rahmenbedingungen. Eine Mehrheit von 70 Prozent der Banken beklagte einen hohen oder sehr hohen Aufwand durch die 2023 eingeführte Meldepflicht von Daten zur Wohnimmobilienfinanzierungsstatistik (WIFSta) an die Deutsche Bundesbank. Hoeck erläuterte, dass die Einführung einen Kraftakt für die personellen Ressourcen darstellte und auch im laufenden Betrieb ein deutlicher Mehraufwand verbleibe, da technische Systeme oft manuelle Eingriffe zur Anpassung an die Meldepflichten erforderten. Die steigenden Kosten dafür würden letztlich nicht nur die Banken, sondern auch die Kreditnehmer tragen.
Das reformierte Gebäudeenergiegesetz wird von 63 Prozent der Banken nicht als Impulsgeber für das Finanzierungsgeschäft erwartet; lediglich 23 Prozent prognostizieren einen geringen Anstieg der Nachfrage. Eine breite Verunsicherung erzeugt zudem die politische Diskussion um die „Vergesellschaftung von Wohnungsunternehmen“. Nur eine Minderheit von 37 Prozent der Volks- und Raiffeisenbanken glaubt, dass mögliche Auswirkungen einer solchen Maßnahme auf Berlin beschränkt blieben.














