Texas, auf das rund ein Viertel der in den USA geplanten Rechenzentrumskapazitäten entfällt, hat mit Gina Hinojosa eine neue Gouverneurin gewählt, die im Wahlkampf einen Genehmigungsstopp für neue Rechenzentren zusagte. Der Urnengang drehte sich nicht um den allgemeinen Bedarf an Rechenleistung, sondern um die Frage, wer künftig den Zugriff auf Strom, Wasser und Bauland erhält.
Der Markt leidet keineswegs unter mangelnder Nachfrage. Investitionskapital steht bereit, und Projektentwickler suchen landesweit nach geeigneten Arealen. Die zentrale Hürde liegt in den knappen Ressourcen: Energieversorger können Leitungsnetze und Umspannwerke kaum im erforderlichen Tempo errichten. Zudem weisen Transformatoren erhebliche Lieferzeiten auf, und qualifizierte Fachkräfte sind rar. Großflächige Campusprojekte konkurrieren zunehmend mit der Industrie, dem Wohnungsbau und der Landwirtschaft um dieselben Wasser- und Stromkapazitäten.
Politische Restriktionen verschärfen den Verteilungskampf
Mit den Abstimmungen am 3. November verlagerte sich dieser Verteilungskampf spürbar auf die politische Ebene. Neben dem Ausgang in Texas setzte sich in Ohio Amy Acton durch, die ebenfalls für ein Moratorium eintritt. In Georgia gewann Keisha Lance Bottoms, die eine stärkere Verantwortung von Entwicklern einforderte. Landesweit votierten Bürger in mindestens zehn Bundesstaaten für Beschränkungen oder lehnten konkrete Rechenzentrenprojekte ab. Diese Haltung zieht sich durch beide politischen Lager: Bereits vor der Wahl hatte der scheidende Gouverneur Greg Abbott Netzanschlüsse für Rechenzentren bis zum Abschluss einer Prüfung ausgesetzt und Umweltgenehmigungen gestoppt.
Die Entscheidung über die Zuteilung liegt damit nicht mehr allein bei den Versorgungsbetrieben. Gouverneure, Gesetzgeber, Regulierungskommissionen und kommunale Gremien bestimmen die Rahmenbedingungen vor Ort. Solange Ressourcen begrenzt sind, verschiebt sich der Marktvorteil zu Akteuren, die knappe Zuteilungen sichern und behördliche Genehmigungen durchsetzen können. Frühere Industriestandorte, beispielsweise rund um die Großen Seen, verfügen mancherorts noch über Übertragungsnetze und Umspannwerke aus früheren Dekaden. Dagegen können Regionen mit günstigem Bauland die nötige Infrastruktur oft nicht zeitgerecht bereitstellen.
Neue Kriterien für die Due Diligence
Suhail Tayyeb, Assistant Professor am Schack Institute of Real Estate der New York University, weist darauf hin, dass theoretische und tatsächlich zuteilbare Kapazitäten streng unterschieden werden müssen. Stromkontingente, die erst Jahre nach dem geplanten Betriebsstart lieferbar sind, besitzen für Betreiber kaum wirtschaftlichen Wert. Für Investoren rücken bei der Prüfung deshalb sechs spezifische Fragen in den Vordergrund:
- —Tragfähigkeit der Kostenstrukturen und Akzeptanz bei den lokalen Gemeinden
- —Kontrolle über die Stromeinspeisung sowie vertragliche Priorität im Netzanschlussverfahren
- —Finanzierung und verbindliche Fertigstellungstermine für erforderliche Netzausbauten
- —Rechtliche Sicherung der Wasserrechte und zeitgerechte Beschaffung von Schlüsselkomponenten wie Transformatoren
Während die Branche in den vergangenen Jahren primär das Nachfragepotenzial durch künstliche Intelligenz analysierte, entscheidet in der nächsten Phase vor allem die physische und regulatorische Realisierbarkeit über den Projekterfolg.














