In Berlin-Spandau erfolgte die Umnutzung einer ehemaligen Produktionshalle der Siemens Luftfahrtgerätewerke. Diese denkmalgeschützte Sheddachhalle wurde zu einer Wohnsiedlung transformiert, die nun 142 Mietwohnungen sowie verschiedene Gewerbeeinheiten umfasst. Die Entwicklung ist Teil des neuen Havelufer Quartiers.
Die Realisierung dieses Projekts erfolgte im Auftrag eines Joint Ventures, bestehend aus PATRIZIA SE und KAURI CAB Development Berlin GmbH. Bollinger + Fehlig Architekten zeichneten für die Planung verantwortlich. Die Maßnahmen führten zur Schaffung einer neuen Nachbarschaft mit Wohnungen, Gewerbeeinheiten, zwei Erschließungsgassen und Gemeinschaftsflächen mit Dorfplatz-Charakter.
Erhalt historischer Bausubstanz
Die ursprüngliche Industriehalle wurde in den 1940er-Jahren errichtet und stellt die einzige erhaltene Industriehalle auf dem Areal des Havelufer Quartiers dar. Jens Fehlig, Geschäftsführer von Bollinger + Fehlig Architekten, betonte, dass die Transformation der Siemens-Industriehalle die Verbindung von historischer Bausubstanz mit aktuellen Wohnanforderungen demonstriert. Eine industrielle Großstruktur sei hierdurch zu einer vielfältigen Nachbarschaft entwickelt worden, welche die Historie des Standortes weiterhin erkennen lässt.
Eine wesentliche Herausforderung des Projekts lag in der Integration einer kleinteiligen Wohnstruktur in die weitläufige ehemalige Werksgebäude-Struktur. Das Wohnungsangebot umfasst Einzimmerwohnungen bis hin zu Fünfzimmerwohnungen. Neben eingeschossigen Einheiten wurden auch Maisonettewohnungen realisiert, um unterschiedlichen Haushaltsstrukturen und Wohnbedürfnissen gerecht zu werden.
Jede Wohneinheit verfügt über einen eigenen Zugang und ist direkt von den gemeinschaftlichen Wegen erschlossen. Die Fassaden entlang der inneren Erschließungsgassen wurden in Holztafelbauweise ausgeführt und mit vertikalen Lärchenholzlatten verkleidet, um eine wohnliche Atmosphäre zu schaffen. Die historischen Außenwände und die bestehende Stahl-Dachkonstruktion blieben erhalten und bilden die Basis für die neue Nutzung. Ein neues Dach aus Holz wurde auf der vorhandenen Struktur aufgebracht, wobei dessen geringes Gewicht den statischen Anforderungen des historischen Tragwerks gerecht wird. Der industrielle Charakter des Gebäudes bleibt von außen weiterhin ablesbar, während das Innere durch die Wohnungen, Gewerbeeinheiten und gemeinschaftlichen Erschließungsbereiche neu gegliedert ist.
Mit dieser Umnutzung wird ein bedeutendes Zeugnis der Berliner Industriegeschichte langfristig gesichert und in ein zeitgemäßes Wohn- und Arbeitsumfeld integriert. Das Havelufer Quartier selbst, welches auf einem ehemaligen Industriegelände an der Havel liegt, entwickelt sich zu einem urbanen Areal mit rund 1.700 Wohnungen, Gewerbeflächen, Kindertagesstätten und Grünanlagen. Das gesamte Quartier hat bereits eine Zertifizierung für das DGNB-Gold-Quartierszertifikat erhalten.














