In der Stuttgarter Liederhalle versammelten sich am Vormittag des 24. Oktober 2026 über 1.000 Teilnehmer zum 21. Tag des Eigentums von Haus & Grund Stuttgart. Die Traditionsveranstaltung widmete sich den wachsenden operativen sowie regulatorischen Rahmenbedingungen für Immobilieneigentümer. Im Zentrum der Beiträge standen neben den ordnungspolitischen Debatten um Enteignungen und Steuerlasten auch die konkreten Verschiebungen am deutschen Immobilienmarkt.
Joachim Rudolf, Vorsitzender des Stuttgarter Eigentümervereins, verwies auf die Ergebnisse einer aktuellen repräsentativen Umfrage unter den Mitgliedern. Demnach stufen 64,8 Prozent der befragten Vermieter in Stuttgart die Wahrscheinlichkeit als hoch ein, ihre Vermietungstätigkeit aufgrund staatlicher Eingriffe und wirtschaftlicher Einbußen ganz oder teilweise aufzugeben und Wohnungsbestände zu veräußern. Rudolf betonte, dass nicht zwingend eine einzelne Vorgabe ausschlaggebend sei, sondern vor allem die kumulative Wirkung der Regulierungsdichte die privaten Akteure belaste.
Forderungen nach Bürokratieabbau und steuerlicher Entlastung
Als Hauptredner trat Hubert Aiwanger auf, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie stellvertretender Ministerpräsident Bayerns. Er sprach sich deutlich gegen Enteignungsinitiativen und ausufernde Vorschriften aus. Aiwanger hob hervor, dass private Vermieter durch komplizierte Vorgaben bei Heizungsanforderungen oder der Aufteilung von CO2-Kosten unverhältnismäßig belastet würden, was mancherorts sogar Leerstände begünstige. Zudem forderte er die vollständige Abschaffung der Erbschaftsteuer, um generationenübergreifendes Eigentum vor Zwangsverkäufen zu schützen.
Zur Untermauerung des Handlungsbedarfs im Bausektor legte der Minister Zahlen aus Bayern vor. Im Jahr 2025 wurden im Freistaat zwar 54.150 Wohnungen genehmigt, jedoch lediglich 47.360 fertiggestellt. Der Bauüberhang belief sich zum Jahresende auf mehr als 182.000 genehmigte, bislang nicht realisierte Wohnungen. Als Lösungsansätze formulierte Aiwanger konkrete Reformschritte:
- —Einführung des Gebäudetyps E zur Reduzierung kostenintensiver Baustandards
- —Konsequenter Abbau preistreibender Bau- und Planungsvorschriften
- —Gezielte Erleichterungen für den Erwerb von Wohneigentum durch jüngere Generationen
Divergierende Preisentwicklungen bei Wohn- und Gewerbeobjekten
Den analytischen Blick auf die Transaktionsmärkte richtete Jens Tolckmitt, Hauptgeschäftsführer des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken. Während Wohnimmobilien bundesweit wieder an Wert gewinnen, bleibt das Segment der Gewerbeimmobilien unter Druck. Gewerbliche Engagements reagieren traditionell sensibler auf konjunkturelle Schwankungen und sehen sich zudem durch den anhaltenden Trend zur mobilen Arbeit mit strukturellen Veränderungen konfrontiert.
Im regionalen Vergleich der deutschen Top-Städte zeigte Berlin bei den Wohnimmobilienpreisen die stärkste Dynamik, gefolgt von Zuwächsen in ländlicheren Regionen. Der Standort Stuttgart fällt dagegen seit 2025 zurück — auch bei den Mietpreissteigerungen blieb die baden-württembergische Landeshauptstadt in den vergangenen fünf Quartalen hinter anderen Metropolen zurück. Die Kombination aus Baukosten und Finanzierungszinsen stellt Kaufinteressenten weiterhin vor Hürden, da das für eine Bankenfinanzierung erforderliche Haushaltseinkommen spürbar angezogen hat.














