Die aktuelle Strukturbefragung der Architektenkammern unter mehr als 14.000 selbstständigen und angestellten Mitgliedern zeichnet für das Berichtsjahr 2025 ein ernüchterndes Bild der wirtschaftlichen Lage des Berufsstands. Während die Gesamtleistung der Büros im Median auf 92.500 Euro pro Vollzeitkraft anstieg, verbleibt nach Abzug der Inhabergehälter lediglich ein Überschuss von durchschnittlich 20.800 Euro. Nahezu ein Drittel der Planungsbüros (32 Prozent) verzeichnete nach Auszahlung der Inhabergehälter keinen Überschuss oder wirtschaftete defizitär.
Inhaltlich hat sich der Schwerpunkt der Projektarbeit grundlegend verschoben: Der Bestandsbau prägt mittlerweile das operative Geschäft, während der Neubauanteil in den vergangenen Jahren spürbar auf 39 Prozent zurückging. Gleichzeitig sehen sich die Büros mit strukturellen Marktveränderungen konfrontiert. Zwar erwirtschafteten die Inhaber im Schnitt 59 Prozent ihrer Umsätze auf Basis der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI), doch spüren inzwischen 43 Prozent der Büros eine deutliche Verschärfung des Preiswettbewerbs infolge des HOAI-Urteils von 2019 – ein spürbarer Anstieg gegenüber dem Wert von 34 Prozent im Erhebungsjahr 2024.
Verzögerte Genehmigungsverfahren und Hürden im Vergabewesen
Erschwerend kommt eine allgemeine Dehnung der Projektzeiträume hinzu. Bei vergleichbaren Vorhaben verzeichnen 60 Prozent der Planungsbüros eine verlängerte Dauer in der Genehmigungsplanung (Leistungsphase 4), während lediglich elf Prozent von Verkürzungen berichten. Auch in der Entwurfs- und Ausführungsplanung überwiegen die Verzögerungen deutlich. Diese zeitlichen Streckungen binden personelle Kapazitäten, ohne dass damit automatisch höhere Vergütungen einhergehen.
- —Vergabeverfahren: Rund 50 Prozent der Büros beteiligen sich an VgV-Verfahren, kritisieren jedoch unverhältnismäßige Referenzanforderungen, hohen Verfahrensaufwand und eine einseitige Preisgewichtung.
- —Wettbewerbswesen: Nur 17 Prozent der Architekturbüros nehmen an Wettbewerben teil; für zwei Drittel dieser Teilnehmer stellt das Engagement ein finanzielles Verlustgeschäft dar.
- —Bürostrukturen: Die durchschnittliche Unternehmensgröße stieg leicht auf 4,8 Personen, wobei 87 Prozent der Büros unter zehn Mitarbeitende zählen, dort aber nur noch eine Minderheit der Angestellten arbeitet.
Demografischer Wandel und Gehaltsgefüge im Berufsstand
Parallel zu den wirtschaftlichen Herausforderungen schreitet die Überalterung der Branche voran. Das Durchschnittsalter der selbstständigen Kammermitglieder kletterte auf 56 Jahre, der Anteil der über 60-Jährigen liegt bei 35 Prozent. Zudem sank die Quote der Selbstständigen auf 29 Prozent, wovon gut ein Drittel als Solo-Selbstständige agiert. Die angestellten Mitglieder sind mit durchschnittlich 48 Jahren jünger; von ihnen sind 47 Prozent in Planungsbüros tätig, 30 Prozent im öffentlichen Dienst und 23 Prozent in der Privatwirtschaft, vorrangig in der Bau- und Immobilienbranche.
Das Bruttojahresgehalt angestellter Kammermitglieder legte über alle Sektoren hinweg im Median um zehn Prozent auf 74.872 Euro zu. Allerdings fiel das Gehaltsplus in den freien Planungsbüros mit sechs Prozent merklich schwächer aus als in der Immobilienwirtschaft oder im öffentlichen Dienst. Andrea Gebhard, Präsidentin der Bundesarchitektenkammer, betonte vor diesem Hintergrund, dass viele Büros unter starkem wirtschaftlichem Druck stünden. Wachsende Anforderungen, längere Verfahren und ein verschärfter Preiswettbewerb erschwerten auskömmliche Honorare und konkurrenzfähige Gehälter — wer Planungsqualität und Fachkräfte sichern wolle, müsse die ökonomischen Rahmenbedingungen der Büros verbessern.














