Die Sozialkassen der deutschen Bauwirtschaft, bekannt als SOKA-BAU, haben in Kooperation mit dem IT-Dienstleister adesso eine eigenständige Plattform für generative künstliche Intelligenz implementiert. Die unternehmenseigene Lösung trägt die Bezeichnung SOKA-GPT und basiert auf der Technologie adesso GPT. Ziel des Vorhabens ist es, den Beschäftigten einen rechtssicheren Zugang zu modernen Sprachmodellen zu ermöglichen, welcher den strikten Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung sowie des europäischen AI Acts entspricht.
Auslöser für die Entwicklung war ein betrieblicher Zielkonflikt: Während auf Seiten der Belegschaft der Wunsch nach Unterstützung durch generative Werkzeuge im Arbeitsalltag zunahm, fehlte es an einer zentral freigegebenen, kontrollierten Infrastruktur. Da SOKA-BAU hochsensible Daten der Bauwirtschaft verwaltet, schied der unkoordinierte Einsatz frei zugänglicher öffentlicher Chatbots kategorisch aus. Nach ersten internen Entwicklungsansätzen in Eigenregie zog die Institution deshalb adesso hinzu, um die Systemarchitektur gezielt zu komplettieren und den Rollout zu beschleunigen.
Modellunabhängige Architektur auf eigener Infrastruktur
Zwischen beiden Unternehmen besteht bereits eine etablierte Partnerschaft aus früheren Transformationsprojekten. Unter anderem entstand in gemeinsamer Arbeit der digitale Service EVE für das Arbeitnehmer-Entsendeverfahren. Bei SOKA-GPT wurde besonderer Wert auf technologische Souveränität gelegt. Die Plattform wird vollständig in der Infrastruktur von SOKA-BAU betrieben und bindet verschiedene Modellanbieter flexibel an, darunter OpenAI, Google sowie Mistral. Eine vertragliche wie technische Bindung an einzelne Provider ist ausgeschlossen, wodurch ein Wechsel jederzeit möglich bleibt.
Seit Ende April 2026 steht das System allen Mitarbeitenden zur Verfügung. Bis Ende August desselben Jahres erreichte die Plattform eine Nutzungsquote von rund 20 Prozent, während als Zielmarke ein Wert zwischen 30 und 40 Prozent angestrebt wird. Die technische Umsetzung erwies sich im laufenden Betrieb als stabil und verzeichnete seit dem Start keinen Ausfall.
Strategische Perspektiven und weiterer Ausbau
Dr. Michael Fahl, Manager für technische Innovationen bei SOKA-BAU, verwies auf die überzeugende technologische Kompetenz sowie die praktische Projekterfahrung des Partners. Mark Lohweber, Vorstandsvorsitzender der adesso SE, betonte seinerseits, dass das Projekt beispielhaft aufzeige, wie Institutionen mit geschäftskritischen Daten künstliche Intelligenz eigenverantwortlich nutzen können, ohne Abhängigkeiten einzugehen. Für das Jahr 2027 plant SOKA-BAU weitere Ausbauschritte — zunächst soll jedoch die bestehende Lösung vollumfänglich im operativen Alltag verankert werden.













