In Berlin ist der neue Amtssitz am Spreebogen fertiggestellt worden. Das sechsgeschossige Bürogebäude in Holz-Hybridbauweise dient in den kommenden Jahren zunächst als Ausweichquartier für das Bundespräsidialamt und soll anschließend weiteren Bundesbehörden Raum bieten. Realisiert wurde das Vorhaben von Kaufmann Bausysteme gemeinsam mit dem Entwickler PRIMUS developments und dem Architekturbüro sauerbruch hutton.
Auf einer Gesamtfläche von 18.700 Quadratmetern bietet der Neubau Platz für 179 Büros sowie flexible Veranstaltungsbereiche. Die Konstruktion verbindet 382 vorgefertigte Holzmodule mit tragenden Gebäudekernen und Sockelstrukturen aus Stahlbeton. Das oberste Geschoss wurde als Holzelementkonstruktion ausgeführt, um größere lichte Höhen sowie weite Spannweiten für Versammlungsräume bereitzustellen.
Vorfertigung verkürzt Bauzeit auf zwanzig Monate
Die Bauzeit belief sich auf zwanzig Monate bei Einhaltung des Budgets von 205 Millionen Euro. Maßgeblich für die zügige Umsetzung war die parallele Ausführung: Während vor Ort die Tiefbauarbeiten und die Stahlbetonkerne entstanden, fertigte Kaufmann Bausysteme im Werk in Berlin-Herzfelde täglich bis zu zehn Raummodule witterungsunabhängig vor. Diese wurden per Lastkraftwagen angeliefert und direkt montiert. Energetisch entspricht das Gebäude dem Standard Effizienzgebäude Bund 40 und nutzt Fernwärme sowie Photovoltaik.
Die Module lassen sich bei veränderten Nutzungsanforderungen flexibel zu Gruppenbüros verbinden oder trennen. Architekt Jürgen Bartenschlag von sauerbruch hutton betont hierzu, dass jedes Tragwerk dort zum Einsatz komme, wo es spezifische Stärken entfalte. Im Innenraum verdecken sichtbare Holzoberflächen und farbige Verkleidungen die modulare Fügung. Geschäftsführer Christian Kaufmann verweist auf Ressourcenschonung und Kostenkontrolle durch serielle Prozesse bei öffentlichen Großbauten.
Wachstum und bundesweite Modulbauprojekte
Das in Reuthe im Bregenzerwald ansässige Familienunternehmen erwartet für das Geschäftsjahr 2026 einen Rekordumsatz von 330 Millionen Euro und bereitet im Bundesgebiet aktuell mehrere Großprojekte vor oder führt diese aus:
- —Berliner Schulbauoffensive: Bis zu zehn Holzmodul-Compartmentschulen mit jeweils 300 Modulen, darunter ein bereits in Betrieb genommenes Projekt an der Bisamstraße-Landsberger Straße.
- —Ville Campus Erftstadt: Errichtung von 530 Apartments im Holzmodulbau sowie eines Holz-Hybridgebäudes für Seminare in Nordrhein-Westfalen bis Mitte 2027.
- —Studentisches Wohnen in Bayern: Fertigstellung einer Anlage mit 151 Modulen in Eichstätt sowie eines Studentenwohnheims mit 450 Modulen in Regensburg.
Mit der Übergabe des Spreebogen-Komplexes im Sommer 2026 demonstriert die serielle Systembauweise ihre Leistungsfähigkeit bei anspruchsvollen Liegenschaften der öffentlichen Hand.














