Erstmals seit dem Ausbruch der Finanzkrise in den Jahren 2007 und 2008 bieten festverzinsliche Wertpapiere wieder spürbare Renditen. Nach einer langanhaltenden Null- und Negativzinsphase verzeichnen selbst Staatsanleihen von Schuldnern hoher Bonität im Investmentgrade-Bereich wieder anziehende Kupons. Besonders in den USA zeigen sich auf den ersten Blick markante Zinsniveaus: Zehnjährige US-Staatsanleihen rentieren bei rund 5,2 Prozent, während dreißigjährige Papiere knapp 5,6 Prozent erreichen — vorausgesetzt, die Papiere werden bis zur Endfälligkeit gehalten und der Emittent bedient seine Verbindlichkeiten.
Haushaltsdefizite und Spreizung der Zinskupons im Euroraum
Mit dem Zinsanstieg wachsen jedoch die Risiken für Rentenportfolios. Zieht das Zinsniveau am Markt weiter an, geraten die Kurse bestehender Anleihen unter Druck, da neu emittierte Papiere rentabler sind. Wer vorzeitig verkaufen muss, realisiert mitunter Kursverluste. Neben Inflationssorgen und geopolitischen Konflikten rückt vor allem die wachsende Staatsverschuldung in den Mittelpunkt der Risikobewertung.
Die Schuldenquoten der Industriestaaten haben sich in den vergangenen Jahren spürbar erhöht. Die USA stehen mit rund vier Billionen Dollar in der Kreide, was einer Verschuldung von etwa 127 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Im Vergleich dazu weist Deutschland eine Quote von rund 65 Prozent auf. Der Durchschnitt der 21 Staaten des Euroraums liegt bei knapp 90 Prozent, wobei einzelne Länder deutlich darüber liegen.
- —Deutschland emittiert zehnjährige Bundesanleihen mit einem Kupon von 3,4 Prozent.
- —Griechenland weist bei einer Schuldenquote von 142 Prozent einen Zins von 4,3 Prozent auf.
- —Italien zahlt bei einer Verschuldung von 138 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 4,5 Prozent Zinsen.
- —Frankreich bietet bei einer Quote von 118 Prozent zehnjährige Kupons von etwa 4,8 Prozent.
Die Notwendigkeit höherer Renditen betrifft insbesondere Staaten mit instabilen politischen Mehrheiten. Minderheitsregierungen wie in Frankreich, die bei der Verabschiedung verfassungskonformer Haushalte vor Hürden stehen, müssen Investoren mit Risikoaufschlägen gewinnen. Wachsende Emissionen zur Deckung von Haushaltsdefiziten erhöhen das Zinsänderungsrisiko und verengen die künftigen fiskalischen Spielräume.
Wechselkursvolatilität und Einfluss der Geldpolitik
Für Anleger im Euro-Währungsraum relativieren sich die höheren US-Renditen durch das Wechselkursrisiko. Mit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 gab der US-Dollar nach: Hatte der Wechselkurs zuvor zwischen 1,06 und 1,10 Dollar je Euro gelegen, stieg er im Anschluss auf 1,15 bis 1,17 Dollar. Ein Kursverlust von fünf bis sechs Prozent zehrt den Renditevorteil US-amerikanischer Papiere beim Rücktausch in Euro auf. Eine Währungsabsicherung neutralisiert diesen Effekt weitgehend, da sich deren Kosten an der Zinsdifferenz beider Währungsräume orientieren und die Nettorendite damit auf das Niveau solider Euro-Titel zurückführen. Zudem trieb eine hartnäckige Inflation die US-Notenbank im September zu einer ersten Zinserhöhung, was sich unmittelbar auf die Renditestruktur auswirkte.














