In der Hamburger HafenCity wurde das Richtfest für das Null-Emissionshaus begangen, ein Vorhaben, das die CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus ausgleichen soll. Die Immobilie hat ihre volle bauliche Höhe erreicht und befindet sich in direkter Nähe zum Überseequartier. Die Bauweise, die ab dem ersten Obergeschoss überwiegend auf Holz setzt, ist ein zentraler Bestandteil des Konzepts.
Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, betonte, dass das Null-Emissionshaus ein besonderes Projekt für Hamburg darstellt, welches die aktuellen Möglichkeiten des ressourcenschonenden Bauens aufzeigt. Als zukünftiger Sitz der HafenCity Hamburg GmbH besitze das Gebäude Modellcharakter. Es ermögliche das Erleben innovativer Ansätze in Bauweise, Energieversorgung und Materialmanagement und schaffe zugleich einen Ort für den Austausch dieser Erfahrungen. Mit seiner zentralen Lage und begrünten Fassade trage es zur zukunftsorientierten Stadtentwicklung bei, wobei die Betrachtung des gesamten Lebenszyklus des Gebäudes als besonders wertvoll für die Weiterentwicklung des nachhaltigen Bauens in Hamburg hervorgehoben wurde.
Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, führte aus, dass das Null-Emissionshaus zukunftsweisende Denk-, Planungs- und Bauweisen erprobt. Es reagiere auf die Frage nach der Gestaltung zukünftiger Bürogebäude und dem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Das Projekt biete ein gesundes Arbeitsplatzklima, auch durch den Einsatz alternativer Baustoffe wie Holz und Lehm. Er hob hervor, dass eine neutrale CO2-Bilanz über den gesamten Lebenszyklus angestrebt wird und die begrünten Fassaden das Mikroklima vor Ort minderten. Die Architektursprache integriere sich zudem in den urbanen Kontext.
Konzept und Umsetzung
Christian Pelzeter, Gesellschafter von heinlewischer, beschrieb das Projekt als eine besondere Gelegenheit, ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele mit innovativen baulichen Lösungen zu verknüpfen. Das Planerteam habe hierfür neue Wege beschritten, die als Modell für zukünftige Bauvorhaben dienen könnten. Er bedankte sich bei der HafenCity als Bauherrin für das Festhalten an der Vision eines bilanziell CO2-neutralen Bürogebäudes sowie bei allen beteiligten Fachdisziplinen und Behörden, da Nachhaltigkeit im Team entstehe.
Der Einsatz von Materialien und Technik wurde sorgfältig ausgewählt. Neben der Holzbauweise kommen emissionsreduzierter Beton sowie Lehmdecken zum Einsatz, die ein natürliches Raumklima fördern. Der Entwurf des Architekturbüros heinlewischer (Berlin) wird von der Ueding Modulbau GmbH aus Münster umgesetzt, wobei Hölzer aus Deutschland, Österreich und Dänemark verwendet werden. Fossile Energieträger werden nicht eingesetzt; stattdessen versorgen Geothermie und eine hocheffiziente Wärmepumpe das Gebäude. Eine Photovoltaik-Anlage wird mehr Strom produzieren, als verbraucht wird, wodurch das Gebäude über das Jahr gesehen einen Energieüberschuss erzielt. Die Prinzipien des zirkulären Bauens wurden von der Errichtung über den Betrieb bis zum Rückbau konzeptionell berücksichtigt.
Das Gebäude, das eine Mietfläche von etwa 6.300 Quadratmetern und eine 360 Quadratmeter große Dachterrasse umfasst, ist hervorragend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden. Auf Kfz-Stellplätze wurde verzichtet; stattdessen sind 150 Fahrrad-Stellplätze vorgesehen. Im Keller sind Komponenten der Landstromanlage für Kreuzfahrtschiffe untergebracht. Nach Abschluss des Rohbaus Ende 2025 wurden die weiteren Geschosse aus Holz errichtet, die Gebäudehülle ist nahezu vollendet. Die Holzfassade wird parallel montiert und mit rund 450 Kletterpflanzen begrünt, die in einem Freiraumlabor in Berlin und Potsdam getestet wurden. Diese Pflanzen tragen zur natürlichen Verschattung und Verbesserung des Mikroklimas bei, wodurch auf weite Teile eines beweglichen Sonnenschutzes verzichtet werden kann. Innerhalb des Gebäudes tragen Holz und Lehm zu einer hohen Aufenthaltsqualität bei, während große Fensterflächen und Balkone viel Tageslicht bieten. Die flexibel teilbaren Büroflächen ermöglichen diverse Arbeitsplatzkonzepte. Aktuell führt die HafenCity Hamburg GmbH eine Bedarfsanalyse für die eigenen Büroflächen durch, die Vermarktung der restlichen Flächen ist bereits angelaufen. Das Null-Emissionshaus stellt insbesondere für Unternehmen mit hohen ESG-Ansprüchen ein auf dem Hamburger Büromarkt derzeit kaum vergleichbares Angebot dar.














