Die Vermietungsdynamik im deutschen innerstädtischen Einzelhandelssektor präsentiert sich robuster als vielfach angenommen. Laut einer aktuellen Marktanalyse von BNP Paribas Real Estate belief sich der Flächenumsatz in den ersten drei Quartalen 2026 auf insgesamt rund 385.000 Quadratmeter. Dieses Ergebnis liegt gut zehn Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Allein das dritte Quartal trug mit circa 150.000 Quadratmetern fast 40 Prozent zum bisherigen Jahresvolumen bei und zählt damit zu den stärksten Einzelquartalen des zurückliegenden Fünfjahreszeitraums.
Maßgeblicher Treiber des dritten Quartals waren großformatige Abschlüsse: Rund 57 Prozent des Flächenumsatzes — exakt 86.000 Quadratmeter — entfielen auf Anmietungen ab einer Größenordnung von 1.000 Quadratmetern. Die sieben deutschen A-Standorte verzeichneten zusammen etwa 125.000 Quadratmeter und lagen damit gut 20 Prozent über ihrem fünfjährigen Mittelwert. Insgesamt wurden in den Top-Märkten im Erfassungszeitraum rund 220 Vermietungen und Eröffnungen registriert.
Strukturwandel in Großflächen und kooperative Nachnutzungen
Veränderungen im Warenhaussegment prägen das Marktgeschehen weiterhin. Während der Inditex-Konzern vor der Neubesetzung früherer Weltstadthäuser von Peek & Cloppenburg steht, schaffen erneute Insolvenzen wie bei Galeria zusätzlichen Handlungsbedarf, aber auch Gelegenheiten für neue Konzepte. Insgesamt erreichten Vermietungen in ehemaligen Kaufhausimmobilien ein Volumen von gut 50.000 Quadratmetern. Zudem etablieren sich Partnerschaften zur Teilflächennutzung: Der Sportartikelhändler Decathlon erschließt neue Lagen nicht nur in früheren Galeria-Häusern, sondern auch als Untermieter in Mediamarkt-Filialen sowie künftig bei IKEA in Hamburg-Altona.
Wie kurzzyklisch Nachbesetzungen verlaufen können, zeigt die ehemalige Karstadt-Immobilie auf der Frankfurter Zeil. Nach der Zwischennutzung durch das Modehaus Aachener sowie Belegungen durch das Inditex-Label Bershka und den Supermarkt Go Asia stehen nach Abschluss der Umbauten Einzüge von TK Maxx und C&A an. Bershka wechselte zwischenzeitlich in das Center Skyline Plaza, während Go Asia eine frühere Depot-Filiale an der Kaiserstraße bezog.
Christoph Scharf, Geschäftsführer und Head of Retail Services bei BNP Paribas Real Estate, betont in diesem Kontext, dass die Wahl des passenden Vermarktungszeitraums entscheidend sei. Standorte erforderten eine ausgewogene Balance zwischen zügiger Anschlussvermietung und einem tragfähigen Nutzungskonzept, wobei sich Geduld bei der Mieteransprache langfristig auszahle.
Shoppingcenter forcieren Branchenvielfalt
Innerstädtische Shoppingcenter steuerten mit rund 110.000 Quadratmetern nahezu 30 Prozent zum gesamten Flächenumsatz bei. Mehr als die Hälfte dieses Volumens wurde im dritten Quartal über neue Ankermieter kontrahiert. Neben dem Textileinzelhandel erweitern vermehrt Lebensmittelanbieter und Freizeitkonzepte das Mietergefüge der Center.
- —Kaufland sicherte sich 4.000 Quadratmeter Mietfläche im Berliner Schloss-Straßen-Center.
- —Lager 157 mietete 2.500 Quadratmeter in der Ernst-August-Galerie in Hannover an.
- —Smyths Toys übernahm 2.500 Quadratmeter in der Rhein-Galerie Ludwigshafen.
- —Das schwedische Leisure-Konzept Boda Borg eröffnete im Boulevard Berlin eine neue Erlebnisfläche.
Zusätzliche Abschlüsse durch Filialisten wie New Yorker, unter anderem in der Mall of Berlin, im Skyline Plaza Frankfurt und im City Center Langenhagen, unterstreichen das anhaltende Interesse an etablierten Centerstandorten.














