Auf dem ehemaligen Militärgelände Wouldham Camp in Hameln hat die Renaturierung begonnen. Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und der Stadt Hameln gaben den Startschuss für die Umwandlung des ehemaligen Übungsgeländes in eine naturnahe Auenlandschaft an der Weser. Das Projekt, das Teil des Bundesprogramms Blaues Band Deutschland (BBD) und des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) ist, verfolgt die Ziele des Hochwasserschutzes, der Biodiversität und des natürlichen Klimaschutzes. Es handelt sich um eines der größten Renaturierungsvorhaben auf einer ehemaligen Militärfläche in Deutschland, bei dem knapp zwölf Hektar der Natur zurückgegeben werden.
Dorothee Martin, Vorständin der BImA, betonte, dass in Hameln mehr als ein Naturschutzprojekt entstehe, da es zeige, wie ehemalige Militärflächen zu wertvollen Natur- und Klimaschutzflächen umgewandelt werden können. Sabine Riewenherm, Präsidentin des BfN, ergänzte, naturnahe Auen seien essenziell für die Anpassung an den Klimawandel, da sie den natürlichen Klima- und Hochwasserschutz sowie die Artenvielfalt stärkten. Sie äußerte ihre Freude darüber, dass dies zukünftig durch das Projekt 'Wouldham Camp' an diesem Standort realisiert werde. Der Oberbürgermeister der Stadt Hameln, Claudio Griese, hob hervor, das Projekt demonstriere die Leistungsfähigkeit der Zusammenarbeit von Bund und Kommune und bereichere Hameln um ein Naturgebiet.
Umfassender Rückbau und Erdarbeiten
Das Wouldham Camp diente über Jahrzehnte als Wasserübungsgelände der britischen Rheinarmee. Nach dem Abzug der britischen Streitkräfte ging das Gelände in den Besitz der BImA über. Die topographische Lage im Überschwemmungsgebiet der Weser bietet ideale Voraussetzungen für die Wiederherstellung einer natürlichen Auenlandschaft. Burkhard Schneider, Leiter des BImA-Geschäftsbereichs Bundesforst, erklärte, dass mit dem bereits im Sommer 2025 abgeschlossenen Rückbau von sieben Gebäuden und drei Brücken sowie der Entsiegelung von mehr als drei Hektar Fläche die Voraussetzungen für die Renaturierung geschaffen wurden. Nun beginnen umfangreiche Erdarbeiten, bei denen auf dem 11,7 Hektar großen Areal rund 30.000 Kubikmeter Erdreich bewegt werden.
Entwicklung eines vielfältigen Naturraums
Die Renaturierung zielt darauf ab, eine naturnahe, wassergeprägte Auenlandschaft mit neuen Einströmungsrinnen der Weser und ihres Nebenflusses Humme zu schaffen. Diese Areale fungieren zugleich als natürliches Überflutungsgebiet und als Lebensraum für zahlreiche Spezies. Die Entwicklung des Geländes ist in drei Zonen unterteilt:
- —Im nördlichen Bereich entstehen Flutmulden entlang der Weser.
- —Im Südwesten entwickelt sich ein naturnaher Auenwald entlang der Humme.
- —Der Südosten wird mit struktur- und artenreichem Grünland ausgestattet, das extensiv beweidet werden soll.
Von dieser Renaturierung profitieren gefährdete Arten wie der Biber, der Eisvogel und die Mehlschwalbe. Nach Abschluss der Arbeiten ist vorgesehen, dass sich die neu entstandenen Auenwaldbiotope weitgehend ohne menschliche Eingriffe entfalten können. Das Projekt unterscheidet sich von klassischen Konversionsprojekten durch den Fokus auf die Entwicklung einer vielfältigen Naturlandschaft anstelle einer erneuten Bebauung. Es verbindet natürlichen Hochwasserschutz, Biodiversität, Biotopverbund und Klimaschutz miteinander. Die Entsiegelung trägt zudem zur Verbesserung des Stadtklimas in Hameln bei.
Die Umsetzung des Vorhabens erfolgt durch den BImA-Bundesforstbetrieb Niedersachsen. Die Planung fand in enger Kooperation mit dem BfN und der Stadt statt. Das Projekt ist Teil des Bundesprogramms Blaues Band Deutschland (BBD) und wird im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.














