Im zentralen Norden Mexikos, weniger als drei Autostunden von Mexiko-Stadt entfernt, gewinnt der Bundesstaat Querétaro massiv an wirtschaftlicher Bedeutung. Neben seinem kolonialen UNESCO-Welterbe formiert sich in der Region gegenwärtig das dominierende Zentrum für digitale Infrastruktur des Landes. John McWilliams, Leiter des Bereichs U.S. Data Center Insights bei Cushman & Wakefield, stellt fest, dass beträchtliche Investitionen in den Bundesstaat fließen. Große Vorhaben entstehen in dichter Folge, wodurch sich Querétaro zügig zu einer zentralen Cloud-Region für ganz Mexiko und die gesamte westliche Hemisphäre entwickelt.
Einem Bericht von BloombergNEF aus dem Jahr 2026 zufolge entfallen rund 72 Prozent der operativen Rechenzentrumskapazität Mexikos auf Querétaro. Das Branchenverzeichnis Data Center Map führt landesweit 66 Standorte, von denen sich 24 in Querétaro befinden. Globale Marktführer wie Amazon AWS, ODATA und CloudHQ engagieren sich vor Ort. CloudHQ realisiert einen Campus mit sechs Gebäuden und einem Investitionsvolumen von 6 Milliarden Dollar, der zur größten Anlage dieser Art in Mexiko avancieren soll. Microsoft betreibt in dem Bundesstaat allein drei Standorte.
Strategische Lage und geringere Hürden als in den USA
Die US-amerikanische Rechenzentrumsbranche wendet sich zunehmend dem südlichen Nachbarn zu. In Mexiko greifen Betreiber auf erprobte Planungs- und Betriebsmodelle zurück, profitieren jedoch von niedrigeren Lohnkosten und einem geringeren Regulierungsdruck im Vergleich zu den Vereinigten Staaten. Während das erste Hyperscale-Rechenzentrum in den USA bereits um das Jahr 2006 durch Google in Oregon errichtet wurde, datiert Rodrigo Folgueras, Senior Vice President bei CBRE Mexico, den Beginn des dortigen Ausbaubooms auf 2019.
André Rizzo, Direktor für Industrie, Wissenschaft und Technologie bei Turner & Townsend Latin America, verweist auf die unmittelbare Nähe zu den USA, leistungsfähige Verbindungskorridore und die wachsende Digitalwirtschaft. Querétaro liegt ideal zwischen den Metropolen Mexiko-Stadt, Monterrey und Guadalajara. Hiram Rodriguez Garza von Cushman & Wakefield betont, dass dieser Standort im Zentrum der Knotenpunkte besonders vorteilhafte Latenzzeiten ermöglicht. Zudem bietet die Region ausreichend Bauland außerhalb der dicht besiedelten Hauptstadt, ohne den Anschluss an deren Infrastruktur zu verlieren.
Herausforderungen rund um Energie und Ressourcen
Gleichwohl verlangt der Sektor nach enormen Ressourcen für Strom und Kühlung, was weltweit für Diskussionen sorgt. In den USA führten Bürgerproteste und Umweltbedenken laut Data Center Watch bereits zum Stillstand oder Abbruch von Projekten im Wert von 64 Milliarden Dollar. Für eine nachhaltige Entwicklung in Querétaro bleiben daher verlässliche Energienetze, Genehmigungsprozesse und ein geordnetes Wassermanagement die entscheidenden Faktoren.
- —Verfügbarkeit gesicherter Stromkapazitäten und Glasfasertrassen
- —Günstige Latenzzeiten zu den Wirtschaftszentren Mexikos und den USA
- —Wachsende Akzeptanz gegenüber restriktiveren Genehmigungslagen im Heimatmarkt













