Die puren gmbh hat am Standort Obermarchtal eine signifikante Erweiterung ihres Werkes realisiert. Mit einer Gesamtinvestition von rund 50 Millionen Euro wurde die Produktionskapazität durch die Inbetriebnahme einer dritten Fertigungslinie für den Funktionswerkstoff purenit maßgeblich erhöht. Die offizielle Einweihung fand vor rund 320 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Forschung statt. Durch die neue Anlage verdreifacht das Unternehmen seine Produktionskapazität am Standort und schafft zusätzlich bis zu 40 neue Arbeitsplätze, welche stufenweise besetzt werden sollen. Bislang waren in Obermarchtal 65 Mitarbeiter beschäftigt.
Fokus auf Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft
Im Rahmen der Festveranstaltung wurde der Zusammenhang zwischen Klimaschutz, Ressourceneffizienz und industrieller Wertschöpfung thematisiert. Dr. Andreas Huther, Geschäftsführer der puren gmbh, hob die frühe Ausrichtung des Unternehmens auf die Wiederverwertung von Nebenprodukten hervor, die zur Entwicklung der purenit-Funktionswerkstoffe führte. Aktuell wird purenit zu bis zu 90 Prozent aus Materialresten hergestellt. Dr. Huther betonte, die Kreislaufwirtschaft für PU-Hochleistungsdämmstoffe und purenit sei keine zukünftige Vision, sondern bereits in der Praxis umgesetzt.
Die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker bezeichnete die Werkserweiterung als beispielhaft für die industrielle Transformation. Sie unterstrich, dass Ressourceneffizienz, Kreislaufwirtschaft und die Energiewende keine Hemmnisse für die Industrie darstellen, sondern vielmehr Wachstumstreiber und Jobmotoren, insbesondere in der GreenTech-Branche. Die langjährige Kooperation mit der Covestro AG wurde von Dr. Thorsten Dreier, Vorstand und CTO der Covestro AG, hervorgehoben. Durch eine ISCC Plus Zertifizierung können zukünftig biozirkuläre und klimaneutrale Bindemittel von Covestro in der puren-Produktion eingesetzt werden, um den CO₂-Fußabdruck von purenit weiter zu reduzieren.
Bedeutung der Energieeffizienz für den Klimaschutz
Prof. Dr. Andreas Holm vom Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München beleuchtete die Rolle der Energieeffizienz für die Wärmewende. Eine energetisch optimierte Gebäudehülle reduziere nicht nur den Wärmebedarf, sondern steigere auch die Effizienz von Wärmepumpen. Er formulierte, Energieeffizienz sei keine Alternative zur Wärmewende, sondern deren Voraussetzung. Der ARD-Meteorologe Karsten Schwanke lenkte den Blick auf die Folgen des Klimawandels und verwies auf den Sommer 2026 als den heißesten in Baden-Württemberg seit Messbeginn. Er warnte davor, solche Temperaturniveaus als neues Normal zu betrachten, und wies auf die zunehmend mediterranen Verhältnisse, feuchtere Winter und trockenere Sommer in Deutschland hin. Die Verfügbarkeit von Wasser werde hierbei zu einer zentralen Zukunfts- und potenziellen Streitfrage. Schwanke merkte an, wer heute Lösungen für morgen liefere, werde erfolgreich sein.
Im Anschluss an die Feierlichkeiten hatten die Gäste die Möglichkeit, die neue Produktionslinie im Rahmen von Werksführungen zu besichtigen. Eine begleitende Ausstellung präsentierte verschiedene Anwendungen des in Obermarchtal produzierten Funktionswerkstoffs purenit.













