Der Potsdamer Platz in Berlin, bereits 2011 als erstes Stadtquartier Deutschlands mit DGNB-Gold zertifiziert, hat diese Auszeichnung nun erneut erhalten. Die aktuelle Zertifizierung erfolgte innerhalb der Pilotphase des neuen DGNB-Systems speziell für Bestandsquartiere. Der Prozess, der im Oktober 2023 begann, wurde im September 2025 abgeschlossen. Dies unterstreicht die Möglichkeit, Nachhaltigkeitsprinzipien nicht nur im Neubau, sondern auch im kontinuierlichen Betrieb etablierter Quartiere konsequent weiterzuentwickeln.
Neben der Quartierszertifizierung wurden auch fünf Einzelgebäude – darunter Potsdamer Platz 1, Potsdamer Platz 11, das Haus Huth (Alte Potsdamer Straße 5), der Atrium Tower (Eichhornstraße 3) und einer der Roger Twins (Linkstraße 2) – mit der DGNB-Gold-Auszeichnung bedacht. Die Eigentümervertreter und Asset Manager BGRE Germany tragen die Verantwortung für diese Zertifizierung der Gebäude im Quartier.
Die Entwicklung des Potsdamer Platzes von einer vom Zweiten Weltkrieg zerstörten und später durch die Mauer geteilten Brachfläche zu einem gemischt genutzten Stadtviertel, beginnend in den 1990er-Jahren, markiert seine historische Bedeutung. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.) verlieh dem Quartier 2011 erstmals die Zertifizierung in Gold für Neubau-Stadtquartiere. Für die aktuelle Zertifizierung nach dem neuen DGNB-System für Bestandsquartiere führte das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE die Status-Quo-Analyse, den Pre-Check und die Auditierung durch.
Ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept
Das Quartier umfasst eine Zertifizierungsfläche von 12,7 Hektar und eine Bruttogrundfläche von rund 459.000 Quadratmetern, verteilt auf 17 Gebäude. Diese umfassen eine vielfältige Nutzung aus Büro, Einzelhandel, Gastronomie, Hotel und Wohnen, inklusive eines denkmalgeschützten Gebäudes aus dem Jahr 1912. Für die Gebäude wurden Klimaschutzfahrpläne etabliert, die die Klimaneutralität bis 2045 anstreben. Diese Pläne beinhalten Maßnahmen zur Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen sowie zur effizienten Ressourcennutzung.
Zu den technischen Merkmalen des Quartiers zählen ein Regenwassermanagement, welches Wasser für Bewässerung und teilweise Toilettenspülung wiederverwendet, sowie ein unterirdisches Ver- und Entsorgungszentrum. Die Umgestaltung der Alten Potsdamer Straße zur Fußgängerzone hat die Aufenthaltsqualität und die Vernetzung innerhalb des Quartiers weiter verbessert. Die DGNB-Auszeichnung wird durch weitere Bewertungen ergänzt: Im GRESB-Assessment 2025, einem internationalen Benchmark für die ESG-Performance von Immobilienportfolios, erreichte der Potsdamer Platz 90 von 100 Punkten und damit die höchste Bewertungsstufe von fünf Sternen. BGRE Germany hat sich zudem der Science Based Targets Initiative (SBTi) verpflichtet, um die Scope-1-, 2- und 3-Emissionen bis 2030 im Einklang mit dem 1,5-Grad-Pfad jeweils um die Hälfte zu senken.
Implementierung von Green Leases
Seit 2023 ergänzt der Potsdamer Platz die baulichen Maßnahmen durch Green-Lease-Klauseln in neuen Mietverträgen. Diese Klauseln sehen vor, dass Vermieter und Mieter gemeinsam Maßnahmen zur Reduzierung des Energie- und Ressourcenverbrauchs sowie zur Verbesserung der Umweltbilanz der Immobilien festlegen. Ein Kernstück bildet der mindestens jährliche Austausch über Nachhaltigkeitsmaßnahmen, beispielsweise im Bereich Energieverbrauch, Wasser- und Abfallmanagement. Der Austausch von Verbrauchsdaten zu Energie, Wasser und Abfall ist ebenfalls zentral und fließt in ESG-Ratings und Benchmarks ein. Auch der Mieterbetrieb selbst ist Teil dieser Vereinbarungen, indem beispielsweise energieeffiziente Geräte, LED-Beleuchtung, Mülltrennung und umweltfreundliche Reinigungsmittel gefördert werden. Mieter und Vermieter unterstützen zudem laufende Zertifizierungsprozesse wie DGNB oder das WELL Health-Safety Rating. Die Verpflichtungen sind mehrheitlich als Bemühungspflicht formuliert, was auf Kooperation statt auf einseitige Vorgaben setzt.
Die Auszeichnungen spiegeln sich im operativen Betrieb des Quartiers wider. Der Grünstromanteil im gesamten Quartier, einschließlich des Mieterverbrauchs, beträgt 74 Prozent; in den Gemeinschafts- und Leerflächen wird seit 2019 zu 100 Prozent Grünstrom bezogen. Beim Abfall werden im Jahr 2025 über 94 Prozent, entsprechend 1326 Tonnen, recycelt. Eine Dehydrierungsanlage reduziert anfallende Speiseabfälle von drei auf eine Tonne, was rund 6.000 Lkw-Kilometer und entsprechende CO2-Emissionen einspart. Gründächer auf einem Viertel der Dachfläche, rund 50.000 Quadratmeter, stellen jährlich etwa 27.000 Kubikmeter Regenwasser für Bewässerung, Seenachspeisung und Toilettenspülung bereit. Ein neues, insektenfreundliches Lichtkonzept hat zudem zu einer Zunahme der Tierpopulation um 14 Prozent beigetragen.
Die Zertifizierung von Stadtquartieren dient nicht nur als Selbstzweck. Die effiziente Nutzung von Ressourcen wie Energie und Wasser senkt die Betriebskosten und steigert gleichzeitig die Attraktivität und den Wert der Immobilien im Quartier. Bisher war die DGNB-Quartierszertifizierung auf Neubauprojekte beschränkt. Mit dem Abschluss der Pilotphase im Jahr 2025 können nun erstmals auch Bestandsquartiere und Quartiere in Transformation zertifiziert werden, unter Berücksichtigung spezifischer Profile für Stadtquartiere, Businessquartiere, Gewerbequartiere und Industriestandorte.














