Die Entwicklung von Parkflächen erhält in der Immobilienwirtschaft eine zunehmend strategische Bedeutung. Während die Pflicht zum Bau von Stellplätzen in einigen Regionen reduziert wird, steigen die Anforderungen an deren Funktionalität erheblich. Ab dem 1. Januar 2027 ist im Gebäudebestand ein Ladepunkt pro zehn Stellplätze vorgeschrieben, statt lediglich eines einzelnen Ladepunktes. Jakob Bodenmüller, CEO und Mitgründer von Wemolo, einem führenden Anbieter für Parkraummanagement, konstatiert, dass die vorhandene Fläche mehr Aufgaben erhält, ohne sich physisch zu erweitern. Ein effizientes Management erfordert präzise Kenntnisse über die Verfügbarkeit der Stellflächen. Wemolo verwaltet europaweit über 4.500 Parkflächen mit rund 370.000 Stellplätzen und erfasst täglich 2,5 Millionen Parkvorgänge.
Die auf der Expo Real diskutierten Entwicklungen unterstreichen die Transformation von Parkflächen zu einer zentralen Planungs- und Steuerungsaufgabe. Deutschland verzeichnet mit 49,5 Millionen zugelassenen Pkw zum 1. Januar 2026, einem Anstieg von über 20 Prozent seit 2008 (Kraftfahrt-Bundesamt, 2026), einen historischen Höchststand. Gleichzeitig konkurriert der innerstädtische Straßenrand mit neuen Nutzungen wie Radwegen, Lieferzonen und Aufenthaltsflächen. Eine repräsentative Befragung des IFH Köln (2026) zeigt, dass 93 Prozent der Befragten eine gute Erreichbarkeit als essenziell für Innenstadtbesuche erachten. 87 Prozent der regelmäßigen Pkw-Nutzer akzeptieren zudem weniger Straßenparkplätze, sofern funktionierende Alternativen existieren, und 73 Prozent befürworten die Verlagerung in kompakte Parkbauten.
Transformation des Parkraummanagements
Der Parkdruck verschiebt sich somit auf Off-Street-Flächen im Handel, in Bürogebäuden und im Gewerbe. Für Eigentümer und den Handel bedeutet dies, dass nicht die Menge der Fläche, sondern deren intelligente Organisation über die Attraktivität eines Standorts entscheidet. Parkplätze müssen zu Spitzenzeiten verfügbar sein und in den übrigen Stunden zur anderweitigen Nutzung zur Verfügung stehen. Die Entwicklung hin zum schrankenlosen Parken, wie in Norwegen weit verbreitet, findet auch im deutschsprachigen Raum zunehmend Akzeptanz. Eine Befragung von Riverty (2024) unter 5.750 Autofahrern in sieben europäischen Ländern ergab, dass in Norwegen drei von vier Autofahrern auf schrankenlose Flächen treffen, während es in Deutschland jeder dritte ist. 65 Prozent der deutschen Befragten wünschen sich dieses Modell. Dies führt dazu, dass immer mehr Standorte auf kamerabasierte Kennzeichenerkennung umstellen, wodurch Schranken, Automaten und deren Wartung entfallen und erstmals belastbare Daten zur Flächennutzung generiert werden.
Die Mehrfachnutzung von Parkflächen entwickelt sich von Pilotprojekten zu etablierten Geschäftsmodellen. Was im Jahr 2025 an einzelnen Handelsstandorten erprobt wurde, wird 2026 regional und über Filialnetze ausgerollt. ALDI SÜD bietet seit November 2025 an über 20 Standorten Stellplätze über Wemolo zur Buchung an, zu Konditionen von fünf Euro pro Nacht oder 50 Euro im Monat. Netto Marken-Discount vermietet an rund 150 Filialen freie Stellplätze außerhalb der Öffnungszeiten. Auch die Politik zeigt Interesse an diesen Modellen, da sie Parkraum auf privaten Flächen ohne eigene Bau- oder Finanzierungspflichten erschließen. Hamburgs Verkehrsbehörde erweiterte ein Pilotprojekt auf REWE- und PENNY-Märkte; in Potsdam wird die Öffnung von Supermarktparkplätzen geprüft, und in München liegt ein entsprechender Stadtratsantrag vor. Auch Büroparkhäuser, wie im Business Campus Garching, öffnen abends und am Wochenende für externe Besucher.
Datengestützte Bewirtschaftung und neue Ertragsquellen
Diese Entwicklung führt über das reine Anwohnerparken hinaus und etabliert zeitabhängige Nutzungsmodelle: Kunden parken während des Einkaufs kostenfrei, längere Aufenthalte werden kostenpflichtig, und freie Zeitfenster werden an Anwohner, Pendler oder Veranstaltungsbesucher vergeben. Dies ermöglicht Eigentümern, Einnahmen aus bereits vorhandenen Flächen zu generieren, ohne zusätzliche Versiegelung. Dominic Winkler, Head of Sales und Business Development Real Estate bei Wemolo, betont, dass eine Öffnung von Parkplätzen nur auf Basis präziser Daten erfolgt, um die Verfügbarkeit für Kunden zu Spitzenzeiten zu gewährleisten. Die Kamerasysteme an Zufahrten, ursprünglich zur Kontrolle von Fremdparkern installiert, haben sich zu wertvollen Datenquellen entwickelt. Sie liefern Informationen über Auslastung, Verweildauern und Frequenzmuster. Die Wahl des richtigen operativen Partners ist, wie CBRE in seinem Market Outlook 2026 festhält, entscheidend, um Parkflächen als steuerndes Element in die Immobilienbewirtschaftung zu integrieren. Aus dieser Datenbasis heraus entwickelte Wemolo in Zusammenarbeit mit Bestandshaltern und Property Managern das 360°-Flächenmonitoring, das auch Schäden oder Verschmutzungen im Außenbereich erfasst und meldet.














