Austausch über Identität und Führung im Lanserhof Sylt
Vom 11. bis 14. Oktober 2026 lud die Schauspielerin und Unternehmerin Vivien Wulf zu den zweiten New Perspective Days in den Lanserhof Sylt ein. Vier Tage lang kamen dort Führungspersönlichkeiten und Akteure aus Wirtschaft, Spitzensport, Medien und Psychologie zusammen. Die Veranstaltung widmete sich der Frage, wie sich die Perspektive auf Erfolg verändert, sobald berufliche Ziele erreicht sind, und welche Schlüsse sich aus Zäsuren sowie Neuorientierungen ziehen lassen.
Nach Ausführung von Initiatorin Vivien Wulf werde der Widerspruch im eigenen Umfeld leiser, je höher man aufsteige. Sobald Führungskräfte nur noch von Zustimmung umgeben seien, ende persönliches Wachstum. Das Tagungsformat solle gezielt Persönlichkeiten zusammenbringen, die anstelle vorgefertigter Antworten neue Fragen aufwerfen, um Impulse zu setzen, die über die eigentliche Zusammenkunft hinaus Wirkung entfalten.
Arthur Höld, heute CEO von Puma nach 26 Jahren bei Adidas, sprach über den anspruchsvollen Prozess, sich von einer über Jahrzehnte gewachsenen Rolle als Repräsentant einer Marke zu lösen. Führung bedeute zudem, Vorbildfunktionen wahrzunehmen. So sei ihm erst im Nachgang bewusst geworden, welches Signal seine zweimonatige Elternzeit an die Belegschaft gesendet habe. Zudem unterstrich Höld den Stellenwert persönlicher Präsenz: Ähnlich wie im Sport basiere auch die Wirtschaft auf direktem Austausch. Eine Kultur des überwiegenden Arbeitens im Homeoffice schränke persönliche Begegnungen und berufliche Entwicklungschancen spürbar ein.
Leistungsanspruch, soziale Herkunft und persönliche Resilienz
Die Unternehmerin und Entertainerin Verona Pooth berichtete, sie habe ihren Nachtschlaf über zehn bis fünfzehn Jahre auf maximal fünf Stunden reduziert, um berufliche Vorhaben voranzutreiben. Rückblickend stellte sie fest, dass das ständige Vorweisen von Erfolgen nicht der einzige Maßstab für den persönlichen Wert sein dürfe. Ein Leben in Ausgewogenheit sei wesentlich erstrebenswerter. Der frühere Regierungssprecher Béla Anda schilderte wiederum die Erfahrung, wie mit dem Ausscheiden aus einer einflussreichen Position auch die öffentliche Aufmerksamkeit schlagartig weicht.
Einen bewussten Akzent setzte die Unternehmerin Tijen Onaran, die für eine positivere Wahrnehmung der Chancen am Standort Deutschland plädierte. Anstatt in gesellschaftlicher Lethargie zu verharren, gelte es, Aufstiegsmöglichkeiten zu nutzen. Die eigene soziale Herkunft beschrieb sie als besondere Stärke und Antriebskraft für berufliches Engagement. Die Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki — die 2014 mit einem Aufschlag von 210,8 km/h einen Weltrekord im Damentennis aufstellte — betonte, dass Erfolg nicht allein an Titeln gemessen werden könne. Ihr eigener Werdegang, der durch 250.000 Kilometer in einem Nissan Micra und finanzielle Hürden bei Turnierreisen geprägt war, verdeutliche den Wert überwundener Widerstände.














