Nachhaltigkeitszertifizierungen etablieren sich zunehmend als Standard im deutschen Büroimmobilienmarkt. Zum Ende des ersten Halbjahres 2026 umfasste der Bestand an zertifizierten, vorzertifizierten oder zur Zertifizierung registrierten Büroflächen in den sieben Immobilienhochburgen Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln, München und Stuttgart rund 19 Millionen Quadratmeter. Dies entspricht nahezu jedem fünften Quadratmeter der gesamten Büroflächen in diesen Metropolen, der eine Nachhaltigkeitszertifizierung aufweist.
Diese Entwicklung geht aus dem „Cesar 2026“ (Certification and Sustainability Radar) hervor, einer Analyse von JLL, die den Büroflächenbestand und die Nachfrage nach zertifizierten Immobilien untersucht. Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany, kommentiert, die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels sowie der sich entwickelnde regulatorische Rahmen erhöhten den Druck auf Unternehmen und Investoren, sich systematisch mit Klimarisiken auseinanderzusetzen. Zertifizierungen wie DGNB, LEED und BREEAM dienten dabei als messbare und vergleichbare Qualitätsstandards.
Steigende Nachfrage trotz Marktunsicherheiten
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten und einer verhaltenen Flächennachfrage wächst die Relevanz zertifizierter Büroflächen kontinuierlich. Während der gesamte Büroflächenumsatz in den sieben Hochburgen im ersten Halbjahr 2026 bei 1,35 Millionen Quadratmetern lag, entfielen davon circa 580.000 Quadratmeter auf zertifizierte Flächen. Der Anteil zertifizierter Büroflächen am gesamten Flächenumsatz erreichte damit einen neuen Höchstwert von 43 Prozent, gegenüber 40 Prozent im Vorjahr.
Frankfurt am Main verzeichnete weiterhin den höchsten Anteil zertifizierter Flächen am Büroflächenbestand und steigerte diesen im Jahresvergleich um acht Prozentpunkte auf 32 Prozent. Die stärksten prozentualen Zuwächse zeigten Düsseldorf mit 24 Prozent und Berlin mit 22 Prozent. In Düsseldorf trugen unter anderem DGNB-Gold-Auszeichnungen des rwi4 im Regierungsviertel zu dieser Entwicklung bei. In Berlin waren insbesondere das Quartier Heidestraße – Track Central Line in der Europacity und der Forum Tower am Potsdamer Platz, beide DGNB-Gold-zertifiziert, für den zusätzlichen Flächenzuwachs maßgeblich.
Bedeutung von Gebäudequalität außerhalb der Toplagen
Daniel Bey, Head of Project & Development Services JLL und Tetris Germany, merkt an, die Anforderungen an Büroflächen stiegen weiter. Unternehmen prüften Neuanmietungen heute wesentlich intensiver und legten zunehmend Wert auf Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und langfristige Resilienz. Zertifizierungen entwickelten sich hierbei vom Differenzierungsmerkmal zum Standard. Auffällig ist die Entwicklung außerhalb der klassischen Spitzenlagen: Während der Zertifizierungsanteil in diesen Lagen um acht Prozentpunkte zurückging, stieg er in Zweit- und Drittlagen um acht Prozentpunkte. Beide Lagekategorien lagen mit 44 beziehungsweise 42 Prozent nahezu gleichauf. Diese Entwicklung unterstreiche, dass bei weniger zentralen Standorten die Gebäudequalität und damit auch Nachhaltigkeitszertifikate entscheidend für die Vermietbarkeit würden.
Die wachsende Bedeutung nachhaltiger Büroflächen zeigt sich auch in der Branchenbetrachtung. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete die Branche Transport, Verkehr und Lagerhaltung mit 80 Prozent den höchsten Anteil zertifizierter Abschlüsse. EDV sowie Industrie und Handel folgten mit jeweils 54 Prozent, Banken und Finanzdienstleister erreichten 51 Prozent. Bei Abschlüssen über 1.000 Quadratmeter entfielen 69 Prozent des Umsatzes ausländischer Unternehmen auf zertifizierte Büroflächen, während dieser Anteil bei inländischen Nutzern 47 Prozent betrug. Laut Scheunemann haben sich Nachhaltigkeitszertifizierungen im Büroimmobilienmarkt endgültig vom „Nice-to-have“ zum „Must-have“ entwickelt, da die Nachfrage nach zertifizierten Flächen schneller wachse als das Angebot und zertifizierte Gebäude vor dem Hintergrund regulatorischer Anforderungen und steigender ESG-Erwartungen zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor werden.













