Verhaltene Stimmung und divergierende Märkte auf der EXPO REAL
Auf dem Münchener Messegelände versammelten sich Anfang Oktober zur EXPO REAL Projektentwickler, Investoren und Finanzierungspartner. Zwar gestalteten sich die Fachgespräche an den Ständen und in den Besprechungszonen gewohnt konstruktiv, von einer euphorischen Aufbruchstimmung war das Branchentreffen jedoch weit entfernt. Branchenteilnehmer brachten die Lage vor Ort mit Aussagen auf den Punkt, wonach das Jahr 2027 keinen Selbstläufer darstelle und eine spürbare Erholung im Jahr 2028 für manche Akteure zu spät greifen könnte.
Die internationalen Immobilienmärkte entwickeln sich dabei gegenwärtig in deutlich unterschiedlichen Zyklen. Während die Vereinigten Staaten sowie Spanien bereits wieder positive Signale verzeichnen, gestaltet sich die Entwicklung im deutschsprachigen Raum sowie in Frankreich zähflüssig. Im Nahen Osten bleibt die Marktlage unterdessen von Unsicherheiten geprägt. Für den hiesigen Markt bedeutet dieser Befund, dass anhaltend hohe Baukosten, anspruchsvolle Finanzierungsstrukturen und Margen ohne Sicherheitsabstände das operative Geschäft bis auf Weiteres bestimmen.
Hebelwirkung im Bestand und bei seriellen Bauverfahren
Angesichts des Marktdrucks verschiebt sich die Wertschöpfung zunehmend auf Prozessoptimierungen, da fundamentale Rahmenbedingungen kurzfristig kaum Erleichterung versprechen. Rentabilitätseinbußen entstehen meist nicht durch einzelne gravierende Fehlentscheidungen, sondern durch Reibungsverluste: Informationen erreichen Projektbeteiligte verspätet, unvollständig oder gehen an operativen Schnittstellen gänzlich verloren.
Im Bereich von Sanierungen, Gebäudeaufstockungen und Umnutzungen wiegt dieses Problem schwer. Da der tatsächliche bauliche Zustand vieler Bestandsimmobilien unzureichend dokumentiert ist, führt jeder unvorhergesehene Befund hinter Wand- oder Deckenverkleidungen zu kostenintensiven Nachträgen und Sicherheitsabschlägen. Nur wer Bestandsdaten im Vorfeld systematisch erfasst, verschafft sich das nötige Fundament für eine tragfähige Kalkulation. Im Neubausektor verbleiben unterdessen vor allem serielle und modulare Bauweisen als wirtschaftliche Alternative. Deren Kostenvorteile greifen in der Praxis jedoch nur dann, wenn Fehlerquellen und wiederkehrende Verzögerungen aus vorangegangenen Projekten messbar erfasst und für Folgeaufträge abgestellt werden.
Eine Sonderstellung nehmen Segmente wie Rechenzentren, Logistikflächen und Energieinfrastruktur ein, die nach wie vor eine beachtliche Marktdynamik aufweisen. Diese Immobilien stellen hohe technische Anforderungen, bei denen die Inbetriebnahme und Übergabe in den laufenden Bewirtschaftungsbetrieb erfolgskritisch sind:
- —Lückenlose Dokumentation von Anlagendaten und Betriebsparametern
- —Vollständige Hinterlegung von Wartungsintervallen und technischen Prüfnachweisen
- —Verlustfreier Informationstransfer von den bauausführenden Gewerken zum FM-Dienstleister
Sander van der Rijdt, Co-CEO und Mitgründer des Technologieunternehmens PlanRadar, rechnet für das Jahr 2027 mit keinem markanten Aufschwung, sondern vielmehr mit einem schrittweisen Weitermachen jener Akteure, die sich am Markt behauptet haben. Das größte unerschlossene Potenzial sieht er in der Schließung von Informationslücken sowie in der Automatisierung bislang manueller Prozesse — etwa beim Erfassen von Bauabnahmen oder bei der Dokumentation von Gewährleistungsmängeln. Bei knappen Margen entscheiden genau diese Schnittstellen darüber, ob ein Projekt wirtschaftlich abschließt.














