Künstliche Intelligenz birgt das Potenzial, Planungsprozesse spürbar zu beschleunigen, Ausgaben zu reduzieren und die Bewirtschaftung von Immobilienbeständen effizienter zu gestalten. Gleichwohl schöpfen zahlreiche Marktteilnehmer diese Instrumente bislang nur unzureichend aus. Der Leipziger Fachkreis Immobilien warnt vor den daraus resultierenden Wettbewerbsrisiken und fordert die Branche auf, die technologische Transformation entschlossener voranzutreiben.
Prof. Dr. Kerry Brauer, Präsidentin des Leipziger Fachkreises Immobilien, weist darauf hin, dass digitale Neuerungen keineswegs nur der jüngeren Generation vorbehalten seien. Zwar fänden sich jüngere Mitarbeiter in digitalen Programmen oft schneller zurecht, doch die Güte der Resultate hänge maßgeblich von einer fachlich fundierten Fragestellung sowie der kompetenten Beurteilung der generierten Antworten ab. Wer über jahrzehntelange Expertise in Planung, Projektentwicklung oder Gebäudebewirtschaftung verfüge, halte ein wertvolles Instrument in den Händen, wodurch Erfahrung zu einem entscheidenden Vorteil im Markt werde.
Vielfältige Einsatzbereiche und strukturelle Hemmnisse
Das Spektrum möglicher Anwendungen ist breit gefächert und reicht von vorbereitenden Schritten bis zum operativen Betrieb. Besondere Erwartungen knüpfen sich an sogenannte KI-Agenten, die eigenständig auf Datenbanken und Softwarewerkzeuge zugreifen können, um mehrstufige Arbeitsfolgen auszuführen.
- —Automatisierte Prüfung von Vertragswerken und Erstellung technischer Dokumentationen
- —Detaillierte Auswertung umfangreicher Gebäudedaten und vorausschauende Instandhaltungsplanung
- —Analyse von Kostenentwicklungen sowie frühzeitige Erkennung von Störungen im Bauablauf
- —Einsatz autonom agierender digitaler Assistenten für vielschichtige operative Prozesse
Trotz dieser Perspektiven ist die Branche von einer flächendeckenden Adaption weit entfernt. Unzureichend digitalisierte Arbeitsabläufe, fehlende Schnittstellen und uneinheitliche Datenstandards bremsen den Fortschritt spürbar. Vereinzelte Effizienzgewinne schlagen sich daher gegenwärtig kaum in sinkenden Gesamtbaukosten nieder.
Forderung nach pragmatischer Implementierung
Nach Auffassung des Fachkreises sollten Unternehmen nicht auf vollumfängliche Gesamtlösungen warten, sondern bereits erprobte Einzellösungen wie automatisierte Dokumentationsprozesse schrittweise integrieren. Während Routineaufgaben mittelfristig entfallen, steigen die qualitativen Anforderungen an die Mitarbeiter.
Brauer betont abschließend, dass die Immobilienwirtschaft aktive Akteure statt passiver Beobachter benötige. Etablierte Branchenvertreter besäßen hervorragende Voraussetzungen, ihr Fachwissen gewinnbringend mit intelligenten Systemen zu verknüpfen — wer hingegen abwarte, riskiere den dauerhaften Anschluss an den Markt zu verlieren.














