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Marktanalyse··3 min

Konjunkturelle Entwicklung und strukturelle Rahmenbedingungen in Deutschland

Die deutsche Wirtschaft verzeichnet seit Ende 2025 einen Aufschwung, dessen Stärke die Erwartungen übertroffen hat, jedoch von Energiepreisen und strukturellen Herausforderungen geprägt ist.

KI-generiertKonjunkturelle Entwicklung und strukturelle Rahmenbedingungen in Deutschland – KI-generiertes Symbolbild
Konjunkturelle Entwicklung und strukturelle Rahmenbedingungen in Deutschland. Symbolbild – mit künstlicher Intelligenz (KI) erzeugt. Das Bild zeigt keine real existierende Immobilie, Person oder Situation und ist kein dokumentarisches Foto. Kennzeichnung gemäß Art. 50 Abs. 4 der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz (KI-VO/AI Act). Mehr zur KI-Transparenz.

Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit dem Jahresende 2025 in einer Phase des Aufschwungs. Diese Erholungsbewegung hat sich dynamischer entwickelt, als ursprünglich im Frühjahr angenommen, obgleich sie weiterhin moderate Kennzahlen aufweist. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren für das laufende Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. Für die beiden Folgejahre 2027 und 2028 werden Steigerungen von 1,1 Prozent beziehungsweise 0,4 Prozent erwartet. Diese Schätzungen repräsentieren eine Anhebung der Prognosen gegenüber dem Frühjahr, konkret um 0,7 Prozentpunkte für das Jahr 2026 und um 0,2 Prozentpunkte für 2027.

Oliver Holtemöller, Konjunkturchef des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), merkt an, dass sich die Wirtschaft robuster als erwartet präsentiert habe. Er unterstreicht jedoch, dass der aktuelle Aufschwung auf einem schmalen Fundament ruhe, da hohe Energiepreise sowie bestehende Strukturprobleme weiterhin belastend wirken. Temporäre Einschränkungen, wie das Niedrigwasser im laufenden Quartal, haben zusätzlich die wirtschaftliche Aktivität gebremst. Gleichzeitig ist ein wachsendes staatliches Defizit zu verzeichnen, welches einen steigenden Konsolidierungsbedarf impliziert.

Faktoren der wirtschaftlichen Dynamik

Im ersten Halbjahr 2026 zeigte die deutsche Wirtschaft eine deutlich stärkere Entwicklung. Insbesondere die Exportwirtschaft und die Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe verzeichneten überraschend kräftige Zuwächse. Wesentliche Impulse hierfür resultierten aus der robusten globalen Konjunktur und dem weltweiten KI-Boom. Parallel dazu erfuhren Wettbewerber aus der Golfregion infolge des Iran-Kriegs erhebliche Produktionsbeeinträchtigungen, was indirekt die deutsche Exportposition stärkte. Auch die Staatsausgaben erhöhten sich signifikant. Im Gegensatz dazu blieben die Unternehmensinvestitionen und der private Konsum weiterhin gedämpft.

Der mit dem Iran-Krieg verbundene Energiepreisschock hat die deutsche Wirtschaft zwar gebremst, die gestiegenen Preise für Kraftstoffe und Heizöl haben jedoch bisher nur geringe Auswirkungen auf die übrigen Verbraucherpreise gezeigt. Im dritten Quartal verlangsamte sich die Erholung temporär. Obwohl sich die Stimmungsindikatoren weiterhin positiv entwickelten, fielen die aktuellen Konjunkturdaten schwächer aus. Das seit Mitte Juli anhaltende Niedrigwasser beeinträchtigte insbesondere die Produktion in der Chemischen Industrie. Die höheren Energiepreise mindern zudem die Kaufkraft und damit den privaten Konsum. Für das dritte Quartal wird ein Bruttoinlandsproduktwachstum von lediglich 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal erwartet. Mit einer Normalisierung der Pegelstände werden die Produktionshemmnisse ab dem vierten Quartal voraussichtlich nachlassen.

Ausblick und strukturelle Herausforderungen

Für das Jahr 2027 prognostizieren die Institute eine Fortsetzung des Aufschwungs, welcher primär von der inländischen Verwendung getragen wird. Der private Konsum dürfte aufgrund real steigender Einkommen moderat zulegen, und die Wohnungsbauinvestitionen werden voraussichtlich allmählich anziehen. Die private Investitionstätigkeit wird jedoch insgesamt als schwach eingeschätzt. Im Jahr 2028 ist eine Verlangsamung der Expansion zu erwarten. Hierbei treten zunehmend strukturelle Grenzen des Aufschwungs zutage. Das Potenzial der Erwerbspersonen schrumpft demografiebedingt, und das potenzielle Wachstum reduziert sich weiter. Daher genügen künftig bereits geringe Zuwachsraten, um die gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten auszulasten.

Hinsichtlich der Inflation wird ein Anstieg von 2,8 Prozent im laufenden Jahr auf 3,2 Prozent im Jahr 2027 erwartet, gefolgt von einem Rückgang auf 2,0 Prozent im Jahr 2028. Auf dem Arbeitsmarkt setzt die Erholung verzögert ein. Die Erwerbstätigkeit wird zunächst weiter sinken, während die Arbeitslosenquote von 6,4 Prozent im Jahr 2026 auf 6,2 Prozent im Folgejahr und 5,8 Prozent im Jahr 2028 zurückgeht. Die Institute sehen einen zunehmenden Handlungsbedarf in der Finanzpolitik. Das staatliche Finanzierungsdefizit steigt von 4,1 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt im aktuellen Jahr auf 4,7 Prozent im Jahr 2028. Der Zuwachs der Nettoprimärausgaben wird den im europäischen Regelwerk definierten Pfad voraussichtlich deutlich überschreiten. Auch bei Einhaltung der reformierten nationalen Schuldenbremse wird die Schuldenquote mittelfristig weiter zunehmen, während die Zinsausgaben erheblich ansteigen. Dies verstärkt den Konsolidierungsbedarf.

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