Institutionelle Investoren in Deutschland halten an ihren Infrastrukturallokationen fest, zeigen jedoch eine zunehmend differenzierte Betrachtung des Immobilienmarktes. Dies geht aus der jüngsten INTREAL-Investorenumfrage hervor, die 48 deutsche institutionelle Investoren, darunter Banken, Family Offices, Pensionskassen, Sparkassen, Stiftungen, Versicherungen und Versorgungswerke, befragte. Die Studie „Welche Real-Asset-(Fonds) überzeugen im Jahr 2027?“ legt geografische Schwerpunkte auf etablierte europäische Märkte fest und analysiert Präferenzen bei Immobilien, Infrastruktur und Private Debt.
Kontinuität und Spezifität in Infrastrukturinvestitionen
Rund 67 Prozent der befragten Investoren beabsichtigen, ihre bestehende Allokation in Infrastruktur bis 2027 konstant zu halten, während knapp 30 Prozent eine Erhöhung planen. Lediglich drei Prozent streben eine Reduzierung an. Andreas Ertle, Geschäftsführer der INTREAL, hebt hervor, dass Infrastruktur zu einem festen Bestandteil vieler Investmentportfolios geworden ist. Die Investoren konzentrieren sich demnach vermehrt auf spezifische Infrastruktursegmente und Märkte, um gezielt Kapital zu allozieren und Investmentkonzepte an Renditezielen auszurichten. Gefragt sind insbesondere langfristig tragfähige Investments mit überzeugendem Renditeprofil.
Innerhalb der Infrastruktursegmente liegen erneuerbare Energien und digitale Infrastruktur, einschließlich Rechenzentren und Kommunikation, mit jeweils etwa 62 Prozent gleichauf in der Gunst der Investoren. Die Versorgungsinfrastruktur wird von 42 Prozent der Befragten als attraktiv eingestuft, während das Segment Transport und Verkehr mit 38 Prozent eine Steigerung um zehn Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr verzeichnete. Regional präferieren die Investoren europäische Märkte; circa 85 Prozent nennen Europa als Investitionsziel, 59 Prozent Deutschland. Die USA spielen mit etwa sieben Prozent eine untergeordnete Rolle. Bei den Anlageformen führen Fonds mit 64 Prozent, gefolgt von Private-Equity-Fonds (36 Prozent) und Infrastruktur-Debt-Fonds (32 Prozent).
Verschiebung der Präferenzen im Immobiliensegment
Im Immobiliensegment zeigen sich deutliche Veränderungen in den Präferenzen. Logistikimmobilien belegen mit 59 Prozent erstmals den ersten Platz der attraktivsten Nutzungsarten, dicht gefolgt von Wohnimmobilien mit 56 Prozent. Das Segment Hotels und Serviced Apartments verzeichnete mit einem Anstieg von sieben auf 22 Prozent eine signifikante Zunahme des Interesses. Nahversorgungsimmobilien werden von 29 Prozent der Befragten genannt. Jan Ferdinand, Executive Director Sales der INTREAL, interpretiert dies als eine deutlich selektivere Betrachtung des Immobilienmarktes, bei der Investoren stärker nach Nutzungsarten differenzieren, die unter den aktuellen Marktbedingungen überzeugen.
- —Selektivere Betrachtung des Immobilienmarktes
- —Logistikimmobilien erstmals führend mit 59 Prozent Attraktivität
- —Deutlich gestiegenes Interesse an Hotels und Serviced Apartments
- —Präferenz für etablierte europäische Märkte bei Immobilien
Die erhöhte Selektivität spiegelt sich auch in der geplanten Immobilienallokation wider: 56 Prozent der Investoren planen eine Reduzierung ihrer Quote bis 2027, während 29 Prozent eine konstante Allokation und 15 Prozent eine Erhöhung beabsichtigen. Die Renditeerwartungen haben sich nach oben verschoben; etwa 27 Prozent der Befragten erwarten bei neuen Immobilienfonds eine anfängliche Ausschüttungsrendite von über fünf Prozent. Die größte Gruppe, rund 34 Prozent, rechnet mit 4,1 bis 4,5 Prozent, während die Erwartung einer Rendite von 3,5 bis 4,0 Prozent von 40 Prozent im Vorjahr auf nunmehr zwölf Prozent gesunken ist.
Bei Immobilien liegt der Fokus ebenfalls auf etablierten europäischen Märkten; 70 Prozent nennen Europa als Investitionsziel, 68 Prozent Deutschland. Die USA spielen mit drei Prozent eine marginale Rolle. Innerhalb Europas führt die DACH-Region mit 83 Prozent, gefolgt von Benelux, das mit 61 Prozent (Vorjahr 40 Prozent) stark an Attraktivität gewonnen hat. Skandinavien erreicht 43 Prozent. Trotz dieser Differenzierung sehen 68 Prozent der Investoren potenzielle Preis- und Wertrückgänge als größte Herausforderung für den Immobilien-Investmentmarkt im Jahr 2027. Weitere Herausforderungen sind ein hohes Preisniveau bzw. geringe Anfangsrenditen (55 Prozent) und die Verfügbarkeit von Finanzierungen (40 Prozent). Das Zinsniveau, die wirtschaftliche Entwicklung und die Wirtschaftspolitik werden als primäre Einflussfaktoren benannt.













