Die elfte Digitalisierungsstudie, gemeinsam herausgegeben vom Zentralen Immobilien Ausschuss (ZIA) und EY Parthenon, attestiert der Immobilienwirtschaft eine anhaltende Investitionsbereitschaft in digitale Transformationen. Auch in Zeiten ökonomischer Unsicherheit halten die meisten Unternehmen an ihren Digitalisierungsbudgets fest oder erhöhen diese sogar. Die technologischen Fundamente sind in weiten Teilen der Branche etabliert, jedoch offenbart die Analyse eine Diskrepanz zwischen dem angestrebten Ziel der digitalen Resilienz und dessen praktischer Implementierung und Messbarkeit. Diese Lücke zwischen Anspruch und Realität bildet einen zentralen Befund der Untersuchung.
Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des ZIA, hob hervor, dass digitale Resilienz ein entscheidendes Thema für die Immobilienwirtschaft sowie die gesamte Volkswirtschaft darstellt. Sie betonte, dass die Branche auf dem richtigen Weg sei, da die Digitalisierung fest in den Unternehmensstrategien verankert ist. Entscheidend sei nun jedoch, Resilienz nicht nur zu schaffen, sondern diese auch nachzuweisen und konsequent weiterzuentwickeln.
Kernergebnisse zur Entwicklung bis 2026
Die Studie prognostiziert für das Jahr 2026 eine Verlagerung der Investitionen: Kleinere Digitalisierungsbudgets im Bereich von 1 bis 5 Prozent des Umsatzes reduzieren sich von 62 auf 48 Prozent, während mittlere Volumina von 11 bis 20 Prozent des Umsatzes von 2 auf 8 Prozent zunehmen. Insgesamt haben 61 Prozent der befragten Unternehmen ihre Digitalisierungsbudgets erhöht. Als wesentliche hemmende Faktoren für die Digitalisierung werden Fachkräftemangel (74 Prozent), Kosten (68 Prozent) und Datenqualität (62 Prozent) genannt. Erstmals wurde zudem die fehlende digitale Kompetenz inklusive Cybersicherheit erfasst, die 45 Prozent der Befragten als Hürde betrachten. Dies zeige eine präzisere Benennung der Herausforderungen innerhalb der Branche.
Künstliche Intelligenz wird von 96 Prozent der Befragten als geschäftsrelevant für die kommenden fünf Jahre eingestuft, was den höchsten Wert unter allen abgefragten Technologien darstellt. Auch Cloud-Lösungen und Big Data werden von einer deutlichen Mehrheit – 94 beziehungsweise 79 Prozent – als unverzichtbare Wegbereiter betrachtet. Obwohl mehr als zwei Drittel der Unternehmen technologische Unabhängigkeit als strategisches Ziel definieren, sind 70 Prozent zugleich in hohem Maße von wenigen großen IT-Anbietern abhängig, was die Notwendigkeit von Maßnahmen zur digitalen Souveränität unterstreicht.
Herausforderungen in der praktischen Umsetzung
Die Untersuchung konzentrierte sich in diesem Jahr auf die Frage, wie Unternehmen Digitalisierung zur Steigerung ihrer organisationalen, technologischen und ökonomischen Widerstandsfähigkeit nutzen und wie souverän sie dabei über ihre Daten, Prozesse und Technologieentscheidungen verfügen. Es zeigt sich, dass technologische Grundmaßnahmen wie Cloud-Lösungen, Backups und Cybersicherheitsstrategien mehrheitlich etabliert sind. Mehr als die Hälfte der Unternehmen hat strategische Resilienzmaßnahmen bereits umgesetzt oder konkret geplant. 70 Prozent der Befragten berichten von spürbaren Kosteneinsparungen und Effizienzgewinnen durch die Digitalisierung. Dennoch bestehen signifikante Defizite in der Messung und Steuerung:
- —Nur jedes zehnte Unternehmen misst digitale Resilienz vollständig; bei etwa der Hälfte sind die relevanten Kennzahlen unvollständig, und knapp ein Drittel erhebt gar keine Daten zur digitalen Resilienz.
- —Prognose- und Frühwarnsysteme sind nur bei 14 Prozent der Unternehmen umfassend im Einsatz; mehr als jedes dritte Unternehmen verzichtet vollständig auf solche Lösungen.
- —Krisensimulationen bleiben die Ausnahme, obwohl sie zur Schließung der Lücke zwischen gefühlter und tatsächlicher Robustheit unerlässlich sind.
- —Die Widerstandsfähigkeit von Immobilien wird von 40 Prozent der Befragten als hoch oder sehr hoch bewertet, jedoch schätzt die Mehrheit die Anpassungsfähigkeit ihres Bestands lediglich als mittelmäßig ein.
Digitale Technologien werden primär dort eingesetzt, wo regulatorische Anforderungen und unmittelbare Effizienzgewinne spürbar sind, wie im Kontext von Energie- und ESG-Druck. Zukunftstechnologien wie Digitale Zwillinge oder Predictive Maintenance finden hingegen bislang nur vereinzelt Anwendung. Geopolitische Risiken werden trotz jüngster globaler Krisen bei der strategischen Portfolioausrichtung oft noch unterschätzt. Die Abhängigkeit von wenigen großen IT-Anbietern ist erkannt, doch Multi-Vendor-Strategien und europäische Alternativen sind noch wenig verbreitet.
Dr. Lars Scheidecker, Partner bei EY Parthenon, betonte, dass Resilienz nicht durch den Aufbau einzelner Technologien entsteht, sondern durch das Zusammenspiel von Dateninfrastruktur, klarer Governance und dem Mut, Pilotprojekte konsequent auszurollen. Aygül Özkan ergänzte, dass digitale Resilienz kein Selbstläufer sei. Die Grundlagen seien geschaffen, doch die Aufgabe bestehe nun darin, Resilienz zu messen, zu testen und aktiv zu steuern, um die Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Branche zu stärken. Die Studienergebnisse wurden im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt und sind ab sofort zum Download verfügbar.














