Die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen haben sich seit 2022 signifikant verändert, beeinflusst durch geopolitische Konflikte und Regierungswechsel. Diese Umstände haben strukturelle Veränderungen negativ verstärkt und führten im Zeitraum von 2020 bis 2025 zu merklichen Anpassungen bei Energiepreisen, Baukosten und Zinsen. In der Konsequenz ist eine gestiegene Anzahl von Insolvenzen sowie eine erkennbare Investitionszurückhaltung zu verzeichnen. Dies belastet auch das Geschäftsgebiet der Volksbank BRAWO, wo Großunternehmen sowie der regionale Mittelstand mit herausfordernden Geschäftsentwicklungen konfrontiert sind.
Das klassische Bankgeschäft der Volksbank BRAWO lieferte im Geschäftsjahr 2025 solide Ergebnisse. Das Geschäftsvolumen stieg um 4,5 Prozent auf 12,7 Milliarden Euro, und das betreute Kundenanlagevolumen erhöhte sich um 7,2 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Das betreute Kundenkreditvolumen verzeichnete einen moderaten Anstieg von 5,4 Milliarden Euro auf 5,5 Milliarden Euro, was einem Plus von 0,7 Prozent entspricht. Die Bilanzsumme insgesamt stieg um etwa 0,8 Prozent auf 6,47 Milliarden Euro. Trotz dieser positiven Entwicklungen im Kerngeschäft wurde die Ertragsseite durch Sonder- und Einmaleffekte beeinflusst. Der Zinsüberschuss sank signifikant um 21,5 Prozent von 120,7 Millionen Euro auf 94,7 Millionen Euro, primär aufgrund fehlender Erträge aus dem Beteiligungsgeschäft und anderen Anlagen, welche auf 16,3 Millionen Euro zurückgingen (Vorjahr: 45,2 Millionen Euro). Die Zinserträge aus dem klassischen Bankgeschäft konnten auf 144,1 Millionen Euro gesteigert werden, während der Zinsaufwand von 63,1 Millionen Euro auf 65,7 Millionen Euro anstieg. Der Provisionsüberschuss überschritt dank eines überdurchschnittlichen Wertpapiergeschäftes erstmals die Schwelle von 40 Millionen Euro und erreichte 40,2 Millionen Euro.
Belastungen durch Kosten und Bewertungseffekte
Lars Berkefeld, Interims-Vorstandssprecher der Volksbank BRAWO, wies anlässlich der Vorlage des Jahresabschlusses 2025 darauf hin, dass die Ertragsseite des klassischen Bankgeschäfts negativ durch Effekte des bisherigen Geschäftsmodells beeinflusst wird. Die Aufwendungen sind stark von der Komplexität der weiteren Geschäftsfelder der Bank geprägt. Prüfungskosten, IT-Investitionen und gestiegene Marketing- und Sponsoringaktivitäten führten zu einem erheblichen Mehraufwand. Die anderen Verwaltungsaufwendungen stiegen um 10,6 Prozent auf 62,4 Millionen Euro. Der Personalaufwand erhöhte sich um knapp 4,2 Prozent auf 56,9 Millionen Euro. Wesentliche Kostentreiber im Jahr 2025 waren jedoch die Abschreibungen auf Immobilien und Sachanlagen, welche neben den planmäßigen Abschreibungen auch außerplanmäßige Abschreibungen aufgrund von Neubewertungen umfassten. Herr Berkefeld betonte, dass angesichts der angespannten Ertragslage ein erheblicher Handlungsbedarf bestehe, die Kostenbasis nachhaltig zu reduzieren und die Strukturen stärker auf die Ertragskraft des Kerngeschäfts auszurichten.
Das Jahresergebnis 2025 wurde insbesondere durch hohe negative Bewertungseffekte bei Krediten, Wertpapieren, Beteiligungen und Immobilien belastet, die im Zusammenhang mit dem bisherigen Geschäftsmodell der Volksbank BRAWO stehen. Hieraus resultierten aufgrund veränderter Marktbedingungen und Bewertungsparameter teilweise deutlich niedrigere Wertansätze und eine außergewöhnlich hohe Ergebnisbelastung. Das vorläufige Ergebnis vor Abzug weiterer Maßnahmen würde bei minus 608,1 Millionen Euro liegen. Zur Kompensation wurde im ersten Schritt der Fonds für allgemeine Bankrisiken (§ 340g-Reserven) teilweise in Höhe von 136 Millionen Euro aufgelöst.
Stützungsmaßnahmen und Neuausrichtung des Geschäftsmodells
Zur Sicherstellung eines ausgeglichenen Jahresergebnisses und zur Stärkung der Eigenkapitalbasis wurden Stützungsmaßnahmen der Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) in Anspruch genommen. Diese umfassen Deckungsmaßnahmen in Form von Garantien zur Abschirmung bestehender Risiken und die Zeichnung von Geschäftsguthaben zur Einhaltung aufsichtsrechtlicher Kapitalanforderungen während des Restrukturierungsprozesses. Herr Berkefeld versicherte, dass alle Einlagen sowie die Geschäftsguthaben bei der Volksbank BRAWO absolut sicher seien und die Bank dank dieser Maßnahmen voll operativ handlungsfähig bleibe. Erhobene Kundenzahlen mit über 7.200 Neukunden und einer Gesamtkundenzahl von knapp 166.500, sowie leicht gestiegene Mitgliederzahlen auf knapp 55.000, unterstreichen das hohe Kundenvertrauen.
Aufgrund des enormen Wertberichtigungsbedarfs, von dem 96 Prozent auf die bankfernen Geschäftsfelder entfallen – und hierin rund vier Fünftel allein auf das Geschäftsfeld Real Estate – muss das bisherige Geschäftsmodell und die Geschäftsstrategie der Volksbank BRAWO grundsätzlich überarbeitet werden. Das Geschäftsfeld Corporate Investments, das vorwiegend Minderheitsbeteiligungen in KMUs bündelt, ist ebenfalls von der Wirtschaftskrise betroffen.














