Geopolitische Unsicherheiten wirken sich dämpfend auf die Erholung des deutschen Immobilienmarktes aus. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Real Blue Kapitalverwaltungs-GmbH unter Asset- und Investment Managern. Ein Großteil der Befragten, konkret drei Viertel, beurteilt die Folgen des Konflikts im Nahen Osten für den Immobilien-Investmentmarkt als negativ. Davon sehen 24 Prozent sehr negative und weitere 52 Prozent eher negative Auswirkungen. Lediglich drei Prozent äußerten die Erwartung positiver Effekte.
Die geopolitische Lage beeinflusst nach Ansicht der Teilnehmer vor allem die Erwartungen an die zukünftige Zinsentwicklung. Rund 70 Prozent der Befragten rechnen mit einer deutlichen Verzögerung von Zinssenkungen durch die Europäische Zentralbank. Weitere 15 Prozent erwarten zumindest leichte Verzögerungen in dieser Hinsicht. Diese Entwicklung trägt zur aktuellen Marktunsicherheit bei.
Wahrgenommene Risiken und Nutzungsarten-Differenzierung
Als die bedeutendsten Risikofaktoren für die Immobilienwirtschaft identifizierten die Befragten primär steigende Energiepreise (76 Prozent) und eine höhere Inflation (73 Prozent). Zudem sahen jeweils knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer verschlechterte Finanzierungsbedingungen sowie ein schwächeres Wirtschaftswachstum als wesentliche Risiken. Michael Eisenmann, Geschäftsführer der Real Blue, kommentiert, dass die geopolitische Unsicherheit den Immobilienmarkt hauptsächlich indirekt über Faktoren wie Energiepreise, Inflation, Finanzierungskosten und die gesamtwirtschaftlichen Perspektiven beeinflusst. Dies könnte eine Stabilisierung des Marktes verlängern. In dieser Marktphase sei eine verstärkte Differenzierung nach Nutzungsart, Standort und Objektqualität zu beobachten. Investments und Nutzungen mit langfristig stabiler Nachfrage und Resilienz gegenüber dem ökonomischen Umfeld dürften demnach an Bedeutung gewinnen.
- —Wohnen: 85 Prozent (als resilienteste Nutzungsart)
- —Lebensmittelgeankerter Einzelhandel: 42 Prozent
- —Logistik: 39 Prozent
- —Gesundheitsimmobilien sowie Infrastruktur- und Energieimmobilien: jeweils 36 Prozent
- —Rechenzentren: 27 Prozent
Die Erwartungen an das Transaktionsvolumen im Investmentmarkt sind laut Umfrage gedämpft. Insgesamt 55 Prozent der Befragten prognostizieren für das zweite Halbjahr 2026 ein rückläufiges Transaktionsvolumen. Ein Drittel erwartet ein stabiles Marktvolumen, während lediglich 12 Prozent von einem leichten Anstieg ausgehen. Eine rasche Marktentspannung wird nur von einer Minderheit erwartet; lediglich 18 Prozent rechnen innerhalb der kommenden sechs Monate mit einer Normalisierung der Marktstimmung. 30 Prozent erwarten diese innerhalb eines Jahres, weitere 24 Prozent erst nach mehr als zwölf Monaten. Ein Viertel der Befragten verzichtet aktuell auf eine Prognose.
Trotz der aktuellen geopolitischen Lage bleibt die Zinsentwicklung für die Befragten der primäre Einflussfaktor für den deutschen Immobilienmarkt in den nächsten zwölf Monaten. 30 Prozent nannten diese als entscheidend, gefolgt vom Wirtschaftswachstum mit 24 Prozent. Geopolitische Krisen rangieren mit 15 Prozent an dritter Stelle der wichtigsten Einflussfaktoren.













