Für die anstehende Sitzung der Europäischen Zentralbank prognostiziert die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eine vorläufige Beibehaltung des aktuellen Leitzinsniveaus. Nach Einschätzung von Björn Ohl, Ökonom des Instituts, markiert dieses Innehalten jedoch voraussichtlich noch nicht das endgültige Auslaufen des Zinserhöhungszyklus. Im primären Basisszenario der Bank wird stattdessen ein abschließender Zinsschritt um 25 Basispunkte im Dezember erwartet, mit dem die straffere geldpolitische Phase ihr vorläufiges Ende finden dürfte.
Ein vergleichbares Vorgehen zeichnet sich gegenwärtig im globalen Kontext ab. Sowohl bei der US-Notenbank Federal Reserve als auch bei der Bank of Japan deuten die Signale nach den Zinsanhebungen im September auf eine Unterbrechung der Zinsanpassungen hin. Für die Währungshüter in Frankfurt gestaltet sich die anstehende Lagebeurteilung dennoch anspruchsvoll, da gegenläufige gesamtwirtschaftliche Signale aufeinandertreffen.
Einflussfaktoren zwischen Teuerung und Kapitalmarktrenditen
Auf der einen Seite verzeichneten die Energiepreise an den Kassa- und Terminmärkten seit der vorherigen Notenbanksitzung kontinuierliche Zuwächse. Gleichzeitig präsentiert sich die Konjunktur im gesamten Euroraum bislang bemerkenswert robust, wenngleich die vorläufig ermittelten Einkaufsmanagerindizes für den Monat Oktober schwächere Tendenzen signalisierten. Diese Kombination aus anhaltendem Preisdruck und wirtschaftlicher Stabilität spricht grundsätzlich für eine fortgesetzte geldpolitische Dämpfung.
Gegen eine unmittelbare Erhöhung bereits im Oktober stehen die merklich gekletterten Renditen europäischer Staatsanleihen, wobei insbesondere französische Papiere deutliche Aufschläge verzeichnen. Diese Verschärfung der allgemeinen Finanzierungskonditionen wirkt am Markt bereits wie eine zusätzliche geldpolitische Straffung. Sie mindert aus Sicht der Währungshüter die Notwendigkeit, unverzüglich an den offiziellen Stellschrauben zu drehen.
Bedeutung der Notenbank-Kommunikation und Ausblick
- —Unverändertes Leitzinsniveau im Oktober bei wahrscheinlicher Zinsanhebung im Dezember um 25 Basispunkte
- —Dämpfender Effekt durch gestiegene Staatsanleiherenditen, namentlich in Frankreich
- —Weiterhin bestehende Aufwärtsrisiken bei der Inflation infolge volatiler Energiepreise
- —Mögliche Verlängerung des Zinszyklus bis in den März bei anhaltendem Teuerungsdruck
Sollte der Zinsbeschluss wie vorhergesagt ausfallen, gewinnt die verbale Einordnung durch die EZB besonderes Gewicht. Relevanz besitzen hierbei sowohl das schriftliche Monetary Policy Statement als auch die Ausführungen im Rahmen der offiziellen Pressekonferenz, bei denen die gestiegenen Renditeaufschläge einzelner Euroländer thematisiert werden dürften. Eine definitive Festlegung bezüglich der Dezember-Entscheidung wird seitens der apoBank zwar nicht erwartet, doch überwiegen aus ihrer Sicht die Aufwärtsrisiken für die Inflationsentwicklung.
Sollten erneute Preisanstiege bei den Energieträgern in den kommenden Monaten für zusätzlichen Teuerungsdruck sorgen, wäre nach Einschätzung des Ökonomen in einem alternativen Szenario sogar eine weitere Zinsanhebung im März nicht auszuschließen.














