Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf ihrer jüngsten Sitzung den Hauptrefinanzierungssatz um 25 Basispunkte auf 2,65 % sowie den Einlagensatz entsprechend auf 2,50 % angehoben. Dies stellt die zweite Zinserhöhung der EZB in diesem Jahr dar, nachdem im Juli eine Zinspause eingelegt wurde. Die Entscheidung war erwartet worden; bereits in den Protokollen zur Juli-Sitzung hatte die EZB eine weitere Anhebung als notwendig erachtet, sofern sich die Inflationsaussichten nicht signifikant verbesserten. Die Teuerung im Euroraum stieg im August nach vorläufiger Schätzung um 3,3 % im Jahresvergleich, in Deutschland betrug die Inflationsrate 2,9 %.
Ein Haupttreiber der Inflation sind weiterhin die Energiepreise. Der seit Ende Februar andauernde Konflikt im Iran beziehungsweise um die Straße von Hormus hat nach kurzzeitigen Entspannungssignalen im Sommer wieder an Intensität gewonnen, was die Ölpreise auf einem hohen Niveau hält. In Deutschland verschärfte das Rekord-Niedrigwasser des Rheins die Situation zusätzlich, indem es den Transport verteuerte und somit die Preise für Kraftstoffe und Heizöl weiter trieb. Marco Schöfl, Director Sales der Qualitypool GmbH, ordnete die Handlungen der EZB als notwendig ein, da die Inflation im Euroraum den Zielwert weiterhin deutlich überschreite und der Preisdruck bei Energie zunehmend auf andere Güter und Dienstleistungen übergehe.
Gleichzeitig wies Schöfl auf Gründe für eine erneute Zinspause hin: Die Kerninflation habe sich vorerst stabilisiert, Zweitrundeneffekte bei den Löhnen blieben aus und das Wachstum im ersten Halbjahr sei vor allem durch den Export getragen worden, während Investitionen und Konsum schwach blieben. Er betonte, dass weitere Zinsschritte maßgeblich von der Entwicklung der Energiepreise in den kommenden Wochen abhängen würden. Die Stimmung in der europäischen Wirtschaft zeigt eine leichte Aufhellung; der Economic Sentiment Indicator der EU-Kommission erreichte im August 98,4 Punkte im Euroraum und liegt damit über den Tiefstwerten vom April, wenngleich er den langjährigen Durchschnitt von 100 noch unterschreitet. Auch führende deutsche Wirtschaftsinstitute haben ihre Konjunkturprognosen zuletzt spürbar erhöht.
Die Situation der Federal Reserve in den USA
In den Vereinigten Staaten steht die nächste Zinsentscheidung der Federal Reserve (Fed) am 15. und 16. September an. Fed-Chef Kevin Warsh gab auf dem Notenbanker-Treffen in Jackson Hole Ende August keine konkreten Hinweise auf die bevorstehende Entscheidung. Er erklärte, die Fed werde sich künftig weniger auf einen spezifischen Kurs festlegen und stattdessen stärker von Sitzung zu Sitzung entscheiden. Gleichwohl stellte er klar, dass das Inflationsziel von 2 % unverrückbar sei. Angesichts einer aktuellen Rate von 3,7 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sehe die Fed „noch Arbeit zu tun“. Märkte interpretierten seinen Auftritt als „hawkish“, was an den Rentenmärkten in den USA, Europa und Japan zu einem erneuten Kursrutsch und einem weiteren Anstieg der Renditen langlaufender Anleihen führte.
Hinzu kommt politischer Gegenwind, da US-Präsident Trump erstmals explizit Zinssenkungen von Warsh forderte und andernfalls mit einem Handelsstopp gegenüber Ländern mit Handelsdefizit drohte. Schöfl kommentierte, dass der neue Fed-Chef in einer schwierigen Lage sei, da drei seiner Kollegen im Offenmarktausschuss bereits im Juli für eine Anhebung gestimmt hätten, die Inflation hartnäckig sei und der Arbeitsmarkt robust bleibe. Demgegenüber stehe der politische Druck aus dem Weißen Haus, wobei ein Handelsstopp die Preise voraussichtlich eher weiter treiben als senken würde. Der Ausgang der September-Sitzung bleibe offen, was für die Zinsmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks bedeute, dass die Volatilität erhalten bleibe.
Entwicklung der Baufinanzierungszinsen
Die Bestzinsen für Baufinanzierungen haben im Zuge des jüngsten Renditeanstiegs an den Anleihemärkten ihr Niveau gehalten. In den letzten Wochen bewegten sich die Bestzinsen für 10-jährige Zinsbindungen in einer Spanne von etwa 3,5 bis 3,7 %, während für 15-jährige Zinsbindungen etwa 3,9 bis 4,0 % zu verzeichnen waren. Schöfl konstatierte, dass die Phase fallender Zinsen vorerst beendet sei und die Tendenz zuletzt eher steigend als fallend war. Für Finanzierungskunden bedeute dies, nicht auf den idealen Zeitpunkt zu spekulieren, sondern die eigene Finanzierung gegen mehrere Szenarien abzusichern. Wer aktuell eine Anschlussfinanzierung plane, könne die Konditionen zeitnah sichern, beispielsweise über ein Forward-Darlehen. Längere Zinsbindungen böten in diesem Umfeld zusätzliche Planungssicherheit.
Eine mögliche Entspannung der Situation am Golf und ein Nachgeben der Energiepreise könnten der EZB nach diesem Schritt eine längere Pause ermöglichen. Einzelne Marktbeobachter gehen davon aus, dass die Renditen von Bundesanleihen bis zum Jahresende wieder in Richtung 3 % zurückkehren könnten, was auch den Bauzinsen eine gewisse Entlastung verschaffen würde.
- —Kurzfristige Tendenz: Aufwärtsgerichtet bis seitwärts, weiterhin erhöhte Schwankungsbreite.
- —Langfristige Tendenz: Konstant bis etwas höher; maßgeblich beeinflusst durch die Entwicklung des Iran-Konflikts und der Energiepreise.














