Der europäische Markt für Logistikimmobilien verzeichnet eine fortschreitende Dynamik. Die Nachfrage seitens der Mieter konzentriert sich verstärkt auf Objekte, die sich durch höhere Qualität und verbesserte Leistungsfähigkeit auszeichnen. Dies geht aus der „European Logistics Survey 2026“ hervor, einer Studie von Savills und BGRE (ehemals Brookfield Properties). Die Umfrage basiert auf den Rückmeldungen von über 600 Branchenvertretern und beleuchtet aktuelle Trends sowie Zukunftserwartungen.
Die allgemeine Stimmung innerhalb der Logistikbranche bleibt stabil positiv. 38 Prozent der befragten Mieter gaben an, dass sich die Geschäftsbedingungen im vergangenen Jahr verbessert haben, während lediglich 8 Prozent mit einer zukünftigen Verschlechterung rechnen. Hinsichtlich der Flächenbedarfe planen 47 Prozent der Unternehmen, ihre Lagerflächen in den nächsten ein bis drei Jahren zu vergrößern. Parallel dazu beabsichtigen 54 Prozent, mindestens ein bestehendes Gebäude zu räumen, was auf eine strategische Portfoliooptimierung statt einer reinen Expansionsstrategie hindeutet.
Anspruchsvolle Mieter und "Flucht in die Qualität"
Obwohl sich die Entscheidungsprozesse für neue Flächen verlängert haben, bleibt die zugrundeliegende Nachfrage bestehen. Mieter agieren zunehmend anspruchsvoller und nutzen die Möglichkeit von Mietvertragsverlängerungen, um ihre Portfolios zu modernisieren und in produktivere Standorte zu wechseln. Die Ergebnisse belegen eine deutliche „Flucht in die Qualität“, da fast die Hälfte der Nutzer Neubau- oder maßgeschneiderte Flächen bevorzugt. 19 Prozent der Befragten ziehen bestehende Objekte in Betracht.
Entscheidende Faktoren bei der Auswahl erstklassiger Logistikflächen sind die Stromverfügbarkeit, die Ausstattung des Gebäudes, der Zugang zu qualifizierten Arbeitskräften sowie die Anpassungsfähigkeit der Immobilie. Insbesondere die Stromversorgung gewinnt an Bedeutung: 89 Prozent der Nutzer erwarten einen steigenden Bedarf, und mehr als ein Viertel berichtet bereits von unzureichenden Kapazitäten in ihren aktuellen Objekten.
Marktstabilität und selektive Nachfrage
Jan-Niklas Rotberg, Managing Director und Head of Agency Germany bei Savills, fasst zusammen, dass sich der Markt verlangsamt, jedoch nicht abschwächt. Er betont, dass Vermietungsaktivitäten weiterhin durch strukturelle Faktoren wie die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten, Nearshoring und den Bedarf an effizienteren Vertriebsnetzen gestützt werden. Dies habe die Flächenaufnahme auch in einem anspruchsvolleren wirtschaftlichen Umfeld robust gehalten. Moderne, gut gelegene und ausreichend mit Strom versorgte Gebäude generieren weiterhin eine starke Nachfrage, während ältere oder weniger funktionale Immobilien an Relevanz verlieren.
Ben Segelman, Leiter des Bereichs Europe Industrial & Logistics bei BGRE, ergänzt, dass die Nachfrage nach Logistikflächen europaweit stabil bleibt, jedoch deutlich selektiver agiert. Nutzer suchen nicht mehr nur nach Fläche, sondern nach Objekten, die komplexe, technologiegetriebene Abläufe unterstützen und langfristige Effizienz sichern. Dies führt zu einer anhaltenden Präferenz für Qualität, wobei Immobilien mit der passenden Leistung, Ausstattung und Anbindung besser positioniert sind. Für Investoren und Entwickler liegt die Chance darin, Objekte bereitzustellen, die diesen präzisen Anforderungen entsprechen. Die Studie weist zudem auf ein Missverhältnis zwischen den steigenden Anforderungen der Nutzer und den Entwicklungsprojekten hin, da die Nachfrage nach hochspezialisierten, oft großformatigen Gebäuden am höchsten ist, Entwickler sich jedoch zunehmend auf kleinere und mittelgroße Projekte konzentrieren.
- —Großbritannien, Spanien und Deutschland führen die Rangliste der Investoren an.
- —Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande und Spanien sind Top-Märkte für Nutzer.














