Der stationäre Handel bleibt ein primärer Bestandteil der Wachstumsstrategien europäischer Einzelhändler. Eine Studie des globalen Immobiliendienstleisters CBRE, der „European Retail Occupier Survey 2026“, belegt, dass 65 Prozent der Unternehmen beabsichtigen, ihr Filialnetz in naher Zukunft zu erweitern. Dies könnte europaweit, nach Berücksichtigung von Schließungen, zu bis zu 8.000 zusätzlichen Filialen führen.
Die Händler verfolgen zudem eine Strategie der Kontinuität oder Expansion hinsichtlich der Geschäftsgrößen: 93 Prozent planen, ihre Filialen mindestens in der bestehenden Größe beizubehalten oder zu vergrößern. Für 91 Prozent der Befragten stellt der stationäre Handel weiterhin einen Kernbestandteil der Unternehmensstrategie dar. Bei der direkten Kundenansprache bewerten 76 Prozent der Unternehmen ihre physischen Geschäfte als effektiver im Vergleich zu Online-Kanälen. In Bezug auf die Umsatzproduktivität sehen dies 56 Prozent ebenso.
Frank Emmerich, Head of Retail Leasing bei CBRE in Deutschland, bestätigt die Übereinstimmung der Studienergebnisse mit den deutschen Marktgegebenheiten. Er betont, dass die Top-High-Streets eine robuste Vermietungsdynamik aufweisen. Die anhaltenden Expansionsbestrebungen der Einzelhändler treffen auf historisch niedrige Leerstandsquoten, was zu einem erheblichen Vermietungsdruck auf verfügbare Prime-Flächen führt.
Standortwahl und digitale Transformation
Bei der Akquisition neuer Standorte legen Einzelhändler primär Wert auf das Einzugsgebiet, dessen demografische Struktur sowie die Besucherfrequenz. Regionale Einkaufszentren sind für 72 Prozent der Befragten die bevorzugte Wahl für eine Expansion. Es folgen Fachmarktzentren mit 53 Prozent und innerstädtische Einkaufsstraßen mit 52 Prozent der Nennungen.
Neben der physischen Expansion investieren die Unternehmen verstärkt in digitale Technologien. Bereits 52 Prozent der befragten Einzelhändler haben Künstliche Intelligenz (KI)-Lösungen implementiert, gegenüber 25 Prozent im Jahr 2024. Weitere 43 Prozent evaluieren den Einsatz von KI aktiv. Häufig genutzte Anwendungen umfassen personalisierte Produktempfehlungen, die von 69 Prozent der Nutzer eingesetzt werden, sowie Chatbots im Kundenservice, die bei 63 Prozent der Unternehmen Anwendung finden.
Strategische Ausrichtung und Kundennähe
Tom Dancer, Head of Retail Occupier, Europe, bei CBRE, hebt hervor, dass die Nachfrage nach stationären Einzelhandelsflächen trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten stabil bleibt. Einzelhändler wählen Standorte gezielt aus, um spezifische Kundengruppen zu erreichen und langfristiges Wachstum zu sichern. Filialen dienen der Stärkung der Marktpräsenz und stellen einen essentiellen Kontaktpunkt zum Kunden dar.
Alex Ozga, Associate Director, European Retail and I&L Research Europe bei CBRE, ergänzt, dass sich der Anteil der Einzelhändler, die KI nutzen, binnen zwei Jahren mehr als verdoppelt hat. Unternehmen gehen von der Erprobungsphase zur aktiven Anwendung über, um die Kundenansprache zu individualisieren und Betriebsabläufe zu optimieren. Parallel dazu werden weiterhin Investitionen in die Ausstattung und Technik der Filialen getätigt, um digitale Möglichkeiten mit dem physischen Einkaufserlebnis zu verknüpfen.
- —65 Prozent der Einzelhändler planen Filialausbau.
- —91 Prozent betrachten stationären Handel als Kernstrategie.
- —52 Prozent der Unternehmen setzen bereits KI ein.
- —Regionale Einkaufszentren sind bevorzugte Expansionsstandorte (72 Prozent).













