Das Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) verzeichnete im Oktober eine spürbare Erholung. Mit einem Zuwachs von gut fünfeinhalb Zählern stieg der Index von 95,9 Punkten im Vormonat auf nun 101,5 Punkte. Damit liegt der Frühindikator erstmals seit Februar wieder über der neutralen Schwelle von 100 Punkten, die ein durchschnittliches Wachstum der bundesdeutschen Wirtschaftsleistung signalisiert.
Nach einem verhaltenen dritten Quartal deutet das Barometer auf eine Belebung zum Jahresende hin. Maßgeblicher Treiber dieser Entwicklung ist das Produzierende Gewerbe. Im August legte die Produktion kräftig zu, was primär auf eine deutlich anziehende Bauproduktion zurückzuführen war. Parallel dazu erreichten die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe infolge umfangreicher öffentlicher Infrastrukturprojekte einen neuen Höchststand. Auch im Maschinenbau fasste die Produktion wieder Tritt, während die Automobilbranche teils bedingt durch den Zeitraum der Werksferien Rückgänge hinnehmen musste.
Restriktive Zinspolitik und geopolitische Risiken belasten Bauherren
Trotz der Aufholeffekte bleibt das gesamtwirtschaftliche Umfeld anspruchsvoll. Die Europäische Zentralbank hat im September mit einer weiteren Zinserhöhung auf die anhaltend hohe Teuerung reagiert. Dieser Schritt verschlechtert die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen sowie private und institutionelle Bauherren merklich. Die Inflationsrate stieg im September wieder über die Marke von drei Prozent, maßgeblich angetrieben durch fossile Brennstoffe: Der Ölpreis verharrt bei über 100 Dollar, während die Gaspreise vor Beginn der Heizperiode den höchsten Stand seit 2022 markieren.
- —Historischer Rekord bei den Auftragseingängen im Bauhauptgewerbe durch Großprojekte
- —Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank verschärft Finanzierungsbedingungen
- —Anstieg der Inflationsrate auf über drei Prozent durch hohe Energiepreise
- —Rückläufige Erwerbstätigkeit bei Annäherung der Arbeitslosenzahl an drei Millionen
Wie DIW-Konjunkturchefin Geraldine Dany-Knedlik erläutert, verhindere die Zurückhaltung der privaten Haushalte und Unternehmen bislang eine breite wirtschaftliche Erholung. Solange die geopolitische Lage in der Straße von Hormus angespannt bleibe und die Energiepreise hoch verharrten, stehe jede Belebung unter Vorbehalt. Auch am Arbeitsmarkt zeigen sich Bremsspuren: Die Zahl der Erwerbstätigen sinkt, während sich die Arbeitslosigkeit der Marke von drei Millionen Personen nähert. Dies dämpft das Konsumklima und belastet konsumnahe Dienstleister spürbar.
Wachstumsimpulse stützen sich vorrangig auf staatliche Aufträge
Nach Einschätzung von DIW-Expertin Laura Pagenhardt speist sich die industrielle Nachfrage derzeit überwiegend aus Verteidigungs- und Infrastrukturvergaben der öffentlichen Hand. DIW-Ökonom Jan-Christopher Scherer betont in diesem Zusammenhang, dass der prognostizierte Aufschwung im Schlussquartal bislang auf einem Bein stehe. Für eine nachhaltige Trendwende im Immobiliensektor und der Gesamtwirtschaft sei neben einer Entlastung bei den Energiekosten vor allem das Anspringen privater Investitionen unter verlässlichen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen erforderlich.














