Die jüngsten Zusammenkünfte der Immobilienbranche, wie etwa auf der Expo Real in München, waren von einer vorsichtigen Grundstimmung geprägt. Die Diskussionen konzentrierten sich primär auf die Neubewertung von Immobilienbeständen. Dennoch beobachten Marktteilnehmer mit verfügbarem Kapital eine zunehmende Fokussierung auf die Frage, welche europäischen Märkte eine Erholung einleiten und an Dynamik gewinnen werden. Experten identifizieren hierbei Deutschland als einen Markt mit signifikantem Potenzial, der besondere Aufmerksamkeit verdient.
Die vergangenen Jahre waren von steigenden Zinsen, einem verlangsamten Wirtschaftswachstum und einer zurückhaltenden Transaktionsaktivität gekennzeichnet, welche die Marktstimmung merklich beeinflusst haben. Aktuelle Beobachtungen deuten jedoch darauf hin, dass die Immobilienwerte in Deutschland einen Boden finden könnten, obgleich bei anhaltendem Zinsanstieg weitere Korrekturen nicht auszuschließen sind. Bemerkenswert ist, dass das Transaktionsvolumen im ersten Halbjahr 2026 um 13 Prozent über dem Niveau des Vorjahres lag. Die Preisfindungsphase ist zudem gegenüber dem Zustand vor zwölf Monaten deutlich fortgeschrittener.
Attraktive Fundamentaldaten und Sektorpotenziale
Investoren orientieren sich wieder verstärkt an den fundamentalen Gegebenheiten, die Immobilieninvestitionen zugrunde liegen. Diese Fundamentaldaten werden als attraktiv bewertet. In den deutschen Metropolen besteht weiterhin ein struktureller Wohnungsmangel, während die Entwicklung neuer Projekte begrenzt bleibt. Der Logistiksektor profitiert maßgeblich von der strategischen Verlagerung hin zu regionalen Lieferketten. Zudem eröffnen sich durch die wachsende Nachfrage nach digitaler Infrastruktur neue Chancen im Bereich von Rechenzentren und den damit verbundenen Immobilien.
Der Bürosektor wird hingegen voraussichtlich einen Schwachpunkt des Marktes darstellen. Eigentümer sind hier zu substanziellen Investitionen aufgefordert, um die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Objekte zu sichern und an neue Nutzeranforderungen anzupassen. Die kommende Phase des Marktzyklus wird sich fundamental von der vorherigen unterscheiden. Sinkende Zinsen und steigende Bewertungen werden nicht mehr die primären Renditetreiber sein. Vielmehr wird die Performance verstärkt von der Ertragsgenerierung, einer stringenten operativen Umsetzung und der präzisen Auswahl der geeigneten Immobilien abhängen.
Selektives Marktumfeld und Chancen
Für Investoren entsteht hieraus ein selektiveres, doch potenziell attraktiveres Marktumfeld. Gesucht werden Qualität, stabile Cashflows und Sektoren, die von langfristigen Nachfragetreibern profitieren. Gleichzeitig sind viele Eigentümer auf Kapital angewiesen, um ihre Geschäftsstrategien über einen längeren Zeitraum fortführen zu können. Dies generiert interessante Möglichkeiten in den Bereichen von Sekundärmärkten und Rekapitalisierungen.
- —Kontinuierlicher Wohnungsmangel in Großstädten bei begrenzter Projektentwicklung.
- —Wachstumspotenziale im Logistiksektor durch Neuausrichtung der Lieferketten.
- —Chancen bei Rechenzentren aufgrund hoher Nachfrage nach digitaler Infrastruktur.
- —Bürosektor erfordert hohe Investitionen zur Wettbewerbssicherung.
Trotz anhaltender wirtschaftlicher und politischer Herausforderungen in Deutschland und einer erwarteten uneinheitlichen Erholung der Märkte, sind Immobilienmärkte oft gerade dann attraktiv, wenn eine allgemeine Vorsicht vorherrscht. Es wird erwartet, dass im vierten Quartal und bis ins Jahr 2027 hinein weitere signifikante Transaktionen auf den Markt gelangen werden. Die Kombination aus neu bewerteten Immobilien, einem begrenzten Angebot und soliden fundamentalen Nachfragefaktoren könnte Deutschland zu einem der attraktivsten Investmentmärkte Europas machen, so die Einschätzung von Josh Cleveland, Partner und Head of EMEA bei StepStone Real Estate.














