Die Standortwahl hat sich zu einem primären Wettbewerbsfaktor für Unternehmen in Deutschland entwickelt. Entscheidend für Investitionen und Produktionsprozesse sind zunehmend die lokalen Rahmenbedingungen. Schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren, eine verlässliche Energieversorgung sowie eine leistungsfähige Infrastruktur beeinflussen maßgeblich die Realisierbarkeit von Investitionsvorhaben. Dies erfordert eine kohärente Betrachtung von Standortentscheidungen durch Politik und Wirtschaft.
In diesem Kontext wird Corporate Real Estate unmittelbar relevant für die Investitionsfähigkeit und die Wettbewerbsposition Deutschlands. Parallel dazu verändert Künstliche Intelligenz (KI) Arbeits- und Produktionsprozesse, was neue Anforderungen an Gebäude und deren Energieversorgung nach sich zieht. Zusätzlich sind resiliente Standorte erforderlich, um geopolitische Risiken zu minimieren, was die Standortfrage weiter zu einer Wettbewerbsfrage macht.
Diese Entwicklungen standen im Mittelpunkt der Immobilienwirtschaftlichen Herbstkonferenz des ZIA, die im dbb forum Berlin stattfand und über 300 Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und der Immobilienwirtschaft zusammenführte. Der Standort wird dabei als integraler Bestandteil der Unternehmensstrategie verstanden. Themen wie KI, Transformation, Portfolioentscheidungen und Sicherheit unterstreichen die Notwendigkeit passender Standorte. Gebäude, Flächen und Infrastruktur determinieren maßgeblich die Geschwindigkeit, mit der Unternehmen auf Veränderungen reagieren und in Deutschland investieren können.
ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan betonte, dass Gebäude und Flächen über ihre Funktion als Kostenposition hinausgehen. Sie seien entscheidend dafür, wie schnell Unternehmen Veränderungen umsetzen und wie wettbewerbsfähig ein Standort bleibe. Eine engere Verknüpfung von Immobilien, Infrastruktur, Energie und Digitalisierung sei daher unerlässlich.
Zukunftsfragen für Unternehmensstandorte
Auf der Konferenz wurden vier zentrale Fragen für die zukünftige Gestaltung von Unternehmensstandorten diskutiert. Dr. Jochen Keysberg, ZIA-Vizepräsident und CEO der Apleona Group, eröffnete die Veranstaltung mit einer Keynote zur Rolle von KI im Corporate Real Estate. Im Anschluss wurden in einem Panel die konkreten Nutzen von KI sowie die Grenzen der Systemübernahme von Entscheidungen thematisiert, wobei die menschliche Verantwortung als unverzichtbar hervorgehoben wurde.
Ein weiterer Diskussionsschwerpunkt lag auf der Implementierung von Transformationszielen und der Überwindung des sogenannten „Umsetzungsstaus“ in Deutschland. Die Modernisierung von Gebäuden, die Umstellung der Energieversorgung und die Reorganisation von Flächen bei laufendem Betrieb stellen große Herausforderungen dar. Dabei wurden sowohl regulatorische Hürden als auch unternehmensinterne Strukturen und Entscheidungsprozesse kritisch beleuchtet.
Die Zukunft von Unternehmensportfolios wurde in einem Panel mit Jörg Vocke, CEO Siemens Real Estate, Oliver Hecht, Marktvorstand Berlin Hyp, und Meno Requardt, Geschäftsführer Volkswagen Immobilien, erörtert. Die Diskussion umfasste Kerngeschäft, Technologie, Energie, Finanzierung und geopolitische Risiken, um die Frage zu beantworten, wo Unternehmen künftig investieren. Sebastian Hartmann, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, sprach zudem über die Anforderungen an resiliente und sicherheitsrelevante Standorte und die Schaffung nutzbarer Infrastruktur durch öffentliche Hand, Industrie und Immobilienwirtschaft. Dabei wurde der Fokus auch auf Brownfields und bestehende Industrieflächen gelegt.














