Zum Auftakt des Invest in Germany Summit haben der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) und der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) ein gemeinsames Forderungspapier vorgelegt. Unter dem Titel „Privates Kapital braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und Verlässlichkeit“ verknüpfen die Verbände die Bereitstellung von Eigenkapital für Start-ups, Scale-ups und den Mittelstand mit notwendigen Investitionen in Wohnraum und Infrastruktur. Beide Organisationen begrüßen den Investitionsgipfel der Bundesregierung und betonen die Notwendigkeit konkreter Verbesserungen in den Bereichen Finanzierung, Regulierung und Investitionssicherheit.
Ulrike Hinrichs, Vorstandssprecherin des BVK, äußerte hierzu, dass Deutschland neben einer leistungsfähigen Infrastruktur auch Unternehmen benötige, die wachsen und investieren können. Sie hob hervor, dass Beteiligungskapitalfonds privates und institutionelles Kapital bündeln, um Unternehmen langfristiges Eigenkapital zur Verfügung zu stellen. Die Anziehung dieses Kapitals nach Deutschland erfordere einen wettbewerbsfähigen Fondsstandort sowie verlässliche Regeln.
Aygül Özkan, Hauptgeschäftsführerin des ZIA, betonte die Bedeutung der Bundesregierung, offensiv um internationales Kapital zu werben. Sie verwies darauf, dass Investitionen beispielsweise in Künstliche Intelligenz, Energie oder Halbleiter zwangsläufig zusätzliches Fachpersonal und folglich einen erhöhten Bedarf an Wohnraum nach sich ziehen. Hieraus leite sich die Notwendigkeit eines Investitionsboosters für den Wohnungsneubau in Deutschland ab.
Stärkung von Unternehmen und Wohnraumschaffung
Für Start-ups, Scale-ups und mittelständische Unternehmen ist langfristiges Eigenkapital entscheidend, um Wachstum, Innovation und Transformation zu finanzieren. Beteiligungskapitalfonds erfüllen hierbei die Funktion, privates und institutionelles Kapital zu bündeln. Um die Investitionstätigkeit von Versicherungen, Versorgungswerken und weiteren institutionellen Investoren in Private Equity und Venture Capital zu fördern, sind größere regulatorische Spielräume, wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen und ein stabiler Fondsstandort erforderlich. Diesen Ansatz verfolgt der BVK.
Auch der Wohnraum- und Infrastruktursektor ist auf langfristiges privates Kapital angewiesen. Im Jahr 2025 entfielen 33,1 Prozent des Investmentvolumens am deutschen Wohninvestmentmarkt auf ausländische Käufer, ein Anstieg von 20,8 Prozent im Vorjahr. Parallel dazu wurden gemäß Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Der jährliche Bedarf liegt laut Frühjahrsgutachten der Immobilienwirtschaft jedoch bei etwa 257.400 Wohneinheiten. Für den ZIA unterstreichen diese Zahlen die Relevanz verlässlicher Finanzierungs- und Investitionsbedingungen im Wohnungsbau.
Forderungen für eine verbesserte Situation
Das gemeinsame Forderungspapier von BVK und ZIA identifiziert sechs zentrale Handlungsfelder, die sowohl die Perspektive des Beteiligungskapitals als auch die der Immobilienwirtschaft berücksichtigen. Hierzu gehören die Erleichterung der Finanzierung und Mobilisierung institutionellen Kapitals, die Gewinnung internationalen Kapitals durch wettbewerbsfähige Steuergestaltung sowie der gezielte Einsatz öffentlicher Mittel als Hebel. Außerdem werden die Sicherung von Eigentum und die Stärkung der Investitionssicherheit genannt, ebenso wie die Schaffung planbarer Regeln und der Bürokratieabbau zur Beschleunigung von Investitionen.
- —Regulatorische Spielräume für institutionelle Anleger in Private Equity und Venture Capital erweitern.
- —Sachgerechte Korrektur des 150-Prozent-Risikogewichts für Projektentwicklungsfinanzierungen.
- —International wettbewerbsfähige Steuerregeln für Private Equity- und Venture Capital-Fonds schaffen.
- —Steuerlichen Missbrauch bekämpfen, ohne ausländische Langzeitinvestoren zu belasten.
BVK und ZIA sehen in wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen, dem Abbau regulatorischer Hemmnisse und verlässlichen Regeln den Schlüssel zur Mobilisierung zusätzlicher privater Investitionen. Viele der vorgeschlagenen Verbesserungen sind ohne unmittelbare zusätzliche Haushaltsausgaben realisierbar. Wo öffentliche Mittel, Garantien oder steuerliche Anreize eingesetzt werden, sollen sie darauf abzielen, zusätzliches privates Kapital für Unternehmen, Wohnen und Infrastruktur zu aktivieren. Der Invest in Germany Summit soll hierbei den Anstoß zu konkreten Maßnahmen geben.
Aygül Özkan betonte ferner, dass Mieterschutz für Bestandmieter nicht zu einer Barriere für Wohnungssuchende werden dürfe. Bezahlbarer Wohnraum entstehe nicht durch fortwährende Eingriffe in bestehende Mietverträge, sondern durch Investitionen in den Neubau. Debatten über Vergesellschaftung und rückwirkende Eingriffe in das Mietrecht würden die Ziele konterkarieren, welche die Bundesregierung auf dem Gipfel bewirbt.














