Unternehmen in Berlin zeigen im bundesweiten Vergleich eine überdurchschnittlich hohe Bereitschaft zur räumlichen Veränderung. Laut einer Erhebung des Hamburger Instituts Trend Research im Auftrag der GSG Berlin planen knapp drei von zehn Unternehmen mit Hauptstadtsitz innerhalb der kommenden 18 Monate einen Standortwechsel. In anderen deutschen Großstädten liegen die Vergleichswerte niedriger, wobei Köln besonders deutliche Abweichungen nach unten aufweist.
Trotz der ausgeprägten Umzugspläne bleibt die Bindung an den Standort hoch: Rund acht von zehn der wechselwilligen Betriebe beabsichtigen, ihren nächsten Unternehmenssitz weiterhin innerhalb Berlins zu wählen. Als bevorzugte Zielregion dominiert der Bezirk Mitte, gefolgt von Charlottenburg-Wilmersdorf sowie Friedrichshain-Kreuzberg. Sebastian Blecke, operativer Geschäftsführer der GSG Berlin, betont in diesem Zusammenhang, dass die Erhebungen keine Abwanderungstendenzen aus der Bundeshauptstadt belegen, sondern eine verstärkte Bewegung innerhalb der Stadtgrenzen widerspiegeln.
Verschiebungen zwischen den Berliner Teilmärkten
Parallel zur Umfrage verdeutlicht eine Sonderauswertung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg veränderte Tendenzen auf Bezirksebene. Für Charlottenburg-Wilmersdorf zeigt der Vergleich der ersten Halbjahre 2024 und 2026 eine spürbar nachlassende Gründungs- und Zuzugsdynamik. Die Zahl der Neugründungen ging in diesem Zeitraum von 2.164 auf 1.400 Firmen zurück, während die Zuzüge von 136 auf 55 Unternehmen sanken. Besonders betroffen ist die traditionell starke Grundstücks- und Wohnungswirtschaft: Hier reduzierten sich die Neugründungen von 100 auf 63 und die Zuzüge von 42 auf lediglich 7 Unternehmen.
Während die City-West laut Blecke als Zielbezirk zwar gefragt bleibt, aber aktiv an ihrer Positionierung arbeiten muss, verzeichneten andere Innenstadtlagen eine robustere Entwicklung. In Mitte, Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg stieg die Anzahl der gewerblichen Neugründungen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2024 an.
Veränderte Flächenanforderungen durch Homeoffice und Technologie
Neben der Lagewahl unterliegen auch die qualitativen Anforderungen an Gewerbeflächen einem strukturellen Wandel. Zahlreiche Marktteilnehmer erwarten bis zum Jahr 2031 flächenrelevante Anpassungen infolge von mobilem Arbeiten, Flächenverdichtung, modifizierten Raumkonzepten und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz. Rund acht von zehn Unternehmen, die Veränderungen durch Homeoffice oder veränderte Raumprogramme prognostizieren, rechnen zugleich mit KI-bedingten Auswirkungen auf ihren Bürobedarf.
- —Knapp 30 Prozent der Berliner Unternehmen planen binnen 18 Monaten einen Umzug.
- —Etwa 80 Prozent der umzugswilligen Betriebe verbleiben im Berliner Stadtgebiet.
- —Charlottenburg-Wilmersdorf verzeichnete im Halbjahresvergleich einen Rückgang der Neugründungen von 2.164 auf 1.400.
- —In Mitte, Pankow und Friedrichshain-Kreuzberg stieg das Gründungsaufkommen im selben Zeitraum an.
Nach Einschätzung der GSG Berlin verliert das klassische Büro nicht grundlegend an Bedeutung, doch verlangen Unternehmen zunehmend flexible Grundrisse, verkehrsgünstige Lagen und einen messbaren Mehrwert gegenüber der Arbeit im Homeoffice. Künftige Standortentscheidungen orientieren sich daher verstärkt an Flächeneffizienz, Nutzungsmischung und der baulichen Anpassungsfähigkeit bestehender Gewerbeimmobilien.














