Der Berliner Markt für Wohn- und Geschäftshäuser verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 eine spürbar gestiegene Aktivität. Die vom Gutachterausschuss vorgelegten Zahlen belegen eine Zunahme der Transaktionen, ein höheres durchschnittliches Transaktionsvolumen und ein besonders starkes zweites Quartal. Parallel dazu rückt nach den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus die Frage nach den künftigen politischen Rahmenbedingungen für Bauvorhaben, Investitionen und Modernisierungen in den Vordergrund der Betrachtung.
Marktentwicklung und Transaktionsvolumen
Nach einem verhaltenen ersten Quartal des Jahres 2026 entwickelte sich das zweite Quartal deutlich dynamischer. Die Anzahl der Verkäufe stieg signifikant von 125 auf 168 Transaktionen. Das Umsatzvolumen erhöhte sich in dieser Periode von rund 411 Millionen Euro auf etwa 775 Millionen Euro. Ebenso wuchs das durchschnittliche Volumen pro Transaktion von ungefähr 3,3 Millionen Euro auf rund 4,6 Millionen Euro. Benjamin Rogmans, Geschäftsführer und Leiter Investment Wohn- und Geschäftshäuser bei Engel & Völkers Commercial Berlin, konstatierte, dass diese Entwicklung auf ein Zusammenfinden von Käufern und Verkäufern hindeute. Er hob hervor, dass nicht nur die Anzahl der Abschlüsse zunehme, sondern auch die durchschnittlichen Transaktionsgrößen, was ein belastbares Vertrauen in den Markt signalisiere.
Obwohl das Transaktionsvolumen des ersten Halbjahres auf den ersten Blick unter dem Niveau des Vorjahres lag, ist dies primär auf ein geringeres Paketgeschäft zurückzuführen. Der klassische Berliner Zinshausmarkt zeigte sich hingegen konsistent. Ohne Berücksichtigung von Pakettransaktionen wurde ein Umsatz von rund 1,19 Milliarden Euro erzielt, wodurch nahezu das Vorjahresniveau erreicht wurde. Rogmans betonte, dass eine ausschließliche Betrachtung des Gesamtvolumens die tatsächliche Entwicklung verkennen würde, da der klassische Markt funktioniere und die Preisfindung in vielen Fällen abgeschlossen sei. Die Wohnnutzung profitiert von ihrer langfristigen Stabilität, während andere gewerbliche Nutzungsarten weiterhin strukturellen Veränderungen unterliegen.
Regionale Streuung und politische Implikationen
Die positive Marktentwicklung ist nicht mehr auf vereinzelte Toplagen beschränkt, sondern erfasst zunehmend verschiedene Bezirke. Besonders hohe Umsatzsteigerungen im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten Spandau mit einem Plus von 71,8 Prozent, Steglitz mit 65,8 Prozent, Köpenick mit 54,2 Prozent, Lichtenberg mit 47,9 Prozent und Reinickendorf mit 44,1 Prozent. Gleichzeitig zählen Mitte, Tempelhof und Prenzlauer Berg weiterhin zu den umsatzstärksten Berliner Investmentstandorten. Diese breitere Streuung der Investitionen über verschiedene Berliner Teilmärkte gilt als typisches Zeichen einer Marktbelebung, da Investoren verstärkt Chancen außerhalb der Core-Lagen suchen.
Das Wahlergebnis für das Berliner Abgeordnetenhaus markiert den Beginn einer neuen politischen Phase für den Immobilienmarkt. Aus Sicht der Marktteilnehmer wird es maßgeblich sein, welche wohnungs- und wirtschaftspolitischen Leitlinien die künftige Koalition implementiert. Benjamin Rogmans wies darauf hin, dass die Entscheidungen bezüglich Neubau, Modernisierung und Investitionen für die kommenden Jahre von kritischer Bedeutung seien. Der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum bleibe unverändert hoch, während Projektentwickler und Investoren weiterhin mit hohen Baukosten, anspruchsvollen Finanzierungsbedingungen und umfangreichen regulatorischen Anforderungen konfrontiert sind. Die Berliner Wohnungsfrage werde laut Rogmans nicht durch politische Positionen, sondern durch die Schaffung zusätzlicher Wohnungen gelöst.
Unabhängig von der politischen Konstellation des künftigen Senats bleiben die fundamentalen Stärken des Standortes für Bestandsinvestoren intakt. Berlin als Hauptstadt, Regierungssitz, Wissenschafts- und Start-up-Metropole zieht weiterhin Talente, Gründer, Investoren, Studierende und Fachkräfte an. Diese strukturellen Vorteile werden durch ein Wahlergebnis nicht beeinflusst. Die aktuellen Marktdaten unterstreichen die hohe Stabilität des Berliner Zinshausmarktes. Mehr Abschlüsse, steigende Durchschnittsgrößen und eine breitere Marktaktivität deuten auf ein belastbares Investmentumfeld hin. Rogmans schlussfolgerte, dass die entscheidende Frage nicht sei, ob in Berlin investiert werde, sondern zu welchen Rahmenbedingungen. Die kommende Regierung werde sich daran messen lassen müssen, ob die politischen Rahmenbedingungen mit den ökonomischen Realitäten des Wohnungsbaus Schritt halten.














