Die Inflation im Euroraum erreichte im September vorläufig 3,8 Prozent im Jahresvergleich. Dies stellt den deutlichsten Anstieg seit September des Vorjahres dar. Nach vorläufigen Schätzungen von Eurostat stiegen die Verbraucherpreise im Euroraum nach 3,2 Prozent im August nun auf 3,8 Prozent, was die Erwartungen übertraf. Haupttreiber dieser Entwicklung sind primär die hohen Energiepreise, beeinflusst durch geopolitische Konflikte und Unsicherheiten in wichtigen Schifffahrtswegen, die den Brent-Ölpreis temporär über 100 US-Dollar pro Barrel steigen ließen.
Auch in Deutschland ist ein deutlicher Anstieg der Verbraucherpreise zu verzeichnen. Gemäß den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts stieg die Inflationsrate im September auf 3,3 Prozent im Jahresvergleich und liegt somit erstmalig seit Ende des Vorjahres wieder über der Drei-Prozent-Marke. Der seit 1. Oktober geltende Tankrabatt könnte die Inflationsentwicklung bis zum Jahresende leicht dämpfen, wobei Ökonomen für Oktober einen Effekt von etwa 0,3 Prozentpunkten prognostizieren.
Geldpolitik der EZB und Fed
Die jüngsten Inflationszahlen haben die Erwartungen an eine mögliche Zinspause der Europäischen Zentralbank (EZB) gedämpft. Marco Schöfl, Director Sales der Qualitypool GmbH, erläutert, dass über die Gesamtrate hinaus die Beschleunigung der Dienstleistungsverteuerung, der leichte Anstieg der Kernrate und die Weitergabe von Energiekosten durch Unternehmen bedeutsam sind. Diese Verfestigung der Inflation strebt die EZB zu verhindern an. Am Markt wird derzeit angenommen, dass die EZB im Oktober abwartet und im Dezember gegebenenfalls nachlegt.
Die US-Notenbank Fed hob ihren Leitzins im September auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent an, die erste Erhöhung seit drei Jahren. Obwohl die Entscheidung einstimmig getroffen wurde, zeigen die veröffentlichten Sitzungsprotokolle unterschiedliche Interpretationen der Währungshüter bezüglich des weiteren Kurses. Eine Mehrheit erwartet bis zum Jahresende eine weitere Anhebung. Ein Zinsschritt im Dezember wird mit einer Wahrscheinlichkeit von 86 Prozent eingepreist. Schöfl betont, dass die unterschiedlichen Begründungen trotz einstimmiger Entscheidung darauf hindeuten, dass die Fed keinen festen Fahrplan hat und jede neue Inflations- und Arbeitsmarktzahl die Renditen der Anleihemärkte und damit mittelbar die Bauzinsen in Deutschland beeinflussen kann.
Auswirkungen auf Baufinanzierungen
Die Bestzinsen für Baufinanzierungen haben nach dem EZB-Entscheid im September angezogen. Zehnjährige Zinsbindungen stiegen von etwa 3,5 auf 3,8 Prozent, während fünfzehnjährige Zinsbindungen weniger deutlich von 4,1 auf 4,2 Prozent zunahmen. Marco Schöfl weist darauf hin, dass das derzeitige Umfeld mit zwei großen Notenbanken, die weitere Leitzinserhöhungen erwägen, und einer sich verfestigenden Inflation keine sinkenden Bauzinsen erwarten lässt. Er rät Personen, die in den kommenden Monaten finanzieren möchten oder eine Anschlussfinanzierung benötigen, nicht abzuwarten, sondern verschiedene Szenarien zu prüfen und sich frühzeitig Konditionen, beispielsweise über ein Forward-Darlehen, zu sichern. Längere Zinsbindungen böten in diesem Umfeld Planungssicherheit.
Potenzielle Entlastung könnte durch den Tankrabatt in Deutschland im vierten Quartal oder eine Entspannung in den Golfkonflikten erfolgen, was den Druck auf Energiepreise und Zinserwartungen mindern würde. Solange diese Faktoren nicht in den Daten sichtbar werden, überwiegt bei den Bauzinsen das Aufwärtsrisiko gegenüber der Chance auf einen Rückgang.
- —Kurzfristig: Aufwärtsgerichtet bis seitwärts, mit weiterhin erhöhter Schwankungsbreite.
- —Langfristig: Tendenziell etwas höher, maßgeblich beeinflusst durch die Entwicklung der Energiepreise und die Frage der Inflationsverfestigung durch Zweitrundeneffekte.














