Der Immobilienverband Deutschland IVD Region Nord e. V. (IVD Nord) hat im Rahmen seines halbjährlich erscheinenden Immobilienbarometers eine aktuelle Analyse des Hamburger Mietwohnungsmarktes veröffentlicht. Die Befragung der Mitgliedsunternehmen des Verbandes zeichnet ein klares Bild eines anhaltend angespannten Marktes, der sich durch einen signifikanten Nachfrageüberhang auszeichnet. Sämtliche befragten Akteure bestätigen derzeit, dass die Nachfrage das verfügbare Angebot übersteigt. Bereits bei der Erhebung Anfang 2026 lag dieser Wert bei 94 Prozent, nunmehr bei 100 Prozent. Ein Zustand des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage wird von keinem der teilnehmenden Unternehmen festgestellt.
Anika Schönfeldt-Schulz, Vorsitzende des IVD Nord, kommentierte die Entwicklung mit dem Hinweis, dass sich der Hamburger Mietmarkt nicht auf ein Gleichgewicht zubewege, sondern sich in die entgegengesetzte Richtung entwickle. Diese Einschätzung wird durch die Beobachtung steigender Mietpreise untermauert: 68 Prozent der befragten IVD-Mitglieder registrieren aktuell anziehende Mieten. 29 Prozent verzeichnen gleichbleibende Mieten, während lediglich 4 Prozent eine fallende Tendenz berichten. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate zeigen keine Trendwende; 61 Prozent der Marktteilnehmer antizipieren weiterhin steigende Mietpreise, 39 Prozent erwarten eine Stagnation. Eine Erwartung sinkender Mieten wird von keinem der Befragten geäußert.
Kurze Vermarktungszeiten und gefragte Segmente
Die ausgeprägte Nachfrage äußert sich auch in den kurzen Vermarktungszeiten für Mietwohnungen. In normalen und guten Lagen geben jeweils 70 Prozent der Befragten an, Mietobjekte innerhalb von maximal drei Wochen zu vermitteln. In einfachen Lagen liegt dieser Anteil bei 56 Prozent, während in sehr guten beziehungsweise Top-Lagen 50 Prozent genannt werden. Das Segment der Wohnungen mittlerer Größe mit rund 50 bis 90 Quadratmetern bleibt mit 71 Prozent der Nennungen am stärksten nachgefragt. Kleinere Wohnungen unter 50 Quadratmetern verzeichnen im Vergleich zur Erhebung von Anfang 2026 einen Bedeutungszuwachs von 9 auf 21 Prozent. Große Wohnungen über 90 Quadratmeter spielen mit einem Anteil von 7 Prozent eine untergeordnete Rolle.
Eine Verschiebung ist zudem bei den bevorzugten Lagen erkennbar. Obwohl gute und begehrte Stadtteile mit 61 Prozent weiterhin eine hohe Präferenz aufweisen, sank dieser Wert im Vergleich zu den 80 Prozent im Januar. Gleichzeitig stieg der Anteil normaler Lagen von 20 auf 32 Prozent. Sehr gute beziehungsweise Top-Lagen werden hingegen nur von 7 Prozent der Befragten als besonders nachgefragt genannt. Bei den tatsächlichen Mietvertragsabschlüssen sind normale und gute Lagen mit jeweils 46 Prozent gleichauf. Frau Schönfeldt-Schulz interpretiert diese Entwicklung als Indiz dafür, dass Wohnungssuchende ihre Suche aufgrund des knappen Angebots auf verschiedene Stadtteile ausweiten.
Energetischer Zustand und Ausblick
Der energetische und sanierungstechnische Zustand einer Mietwohnung spielt bei der Entscheidungsfindung zwar eine Rolle, jedoch eine geringere als beim Erwerb von Wohneigentum. 44 Prozent der befragten Marktexperten sehen den Sanierungs- und energetischen Zustand als entscheidend an, unabhängig vom Baualter. Bei Eigentumswohnungen liegt dieser Wert bei 71 Prozent und bei Kaufhäusern bei 74 Prozent. Für die kommenden sechs Monate erwarten 68 Prozent der Befragten ein gleichbleibendes oder stabiles Marktgeschehen im Mietsegment. Je 14 Prozent prognostizieren eine schlechtere Entwicklung oder bewerten die Perspektive kritisch, während nur 4 Prozent eine Verbesserung erwarten.
Abschließend betonte Anika Schönfeldt-Schulz, dass Hamburg weiterhin einen deutlich erhöhten Wohnungsbau benötige. Sie wies darauf hin, dass die Nachfrage evident sei, es jedoch an einem ausreichenden Angebot mangele. Solange keine signifikant höhere Anzahl von Wohnungen auf den Markt komme, sei eine Verbesserung der Situation für Wohnungssuchende kaum zu erwarten.














