Angesichts der anhaltenden Stagnation im Berliner Wohnungsbau initiiert der Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg (AIV) die fachspezifische Vortragsreihe „Wohnraum schaffen“. Die Diskussionsforen bringen Entscheidungsträger aus Politik, Bauverwaltung, Wohnungswirtschaft, Architektur und Ingenieurwesen zusammen, um praxistaugliche Lösungsansätze gegen das strukturelle Wohnungsdefizit in der Bundeshauptstadt zu erörtern. Die Veranstaltungsreihe soll im kommenden Jahr mit weiteren Schwerpunkten fortgeführt werden.
Nach Ansicht von AIV-Vorstandsmitglied und Initiator Philip Engelbrecht mangelt es auf dem Markt nicht an planerischen Konzepten, sondern primär an deren Realisierung. Ziel der Reihe sei es daher, den Blick auf das Machbare zu richten und Beteiligte mit unterschiedlichen Perspektiven an einen Tisch zu bringen. Als wesentliche Hemmnisse für den Neubau identifiziert der Verband das hohe Baukostenniveau, langwierige Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie restriktive regulatorische Auflagen. Gleichzeitig bieten der Gebäudebestand, veränderte Rechtsrahmen und neuartige Bauweisen erhebliche Hebel für die Wohnraumschaffung.
Planungsbeschleunigung und Umnutzung gewerblicher Bestände
Den Auftakt bildet ein Beitrag von Maren Kern, Vorständin des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU), zur aktuellen Marktverfassung sowie zu den wohnungspolitischen Leitlinien der neuen Legislaturperiode. Hierbei steht die Vereinbarkeit von zügigem Wohnungsneubau und bezahlbaren Mieten im Vordergrund. Der anschließende Fachabend thematisiert den sogenannten Bauturbo und die praktische Implementierung neuer Rechtsinstrumente zur Bauverfahrensbeschleunigung. Hierzu referieren unter anderem Tine Fuchs von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Dr. David Meurers aus dem Bundesbauministerium, Sebastian von Oppen von der Bundesarchitektenkammer, Prof. Dr. Matthias Hellriegel sowie Elise Pischetsrieder vom Büro weberbrunner pischetsrieder.
Ein weiterer Programmpunkt analysiert die Umnutzung von Gewerbeimmobilien zu Wohnraum, diskutiert am Projekt Karstadt Wedding und den Aspekten des zirkulären Bauens. Nils Wenk von Baumschlager Eberle Architekten und Prof. Dr.-Ing. Christoph Gengnagel von Bollinger+Grohmann Ingenieure erörtern dabei konstruktive Potenziale und baurechtliche Grenzen solcher Transformationen. Weitere Veranstaltungen sollen nachfolgend Aspekte wie den Hamburger Standard, generationengerechtes Bauen und baukulturelle Kernfragen vertiefen.
- —29. Oktober, 18 Uhr: Marktsituation und wohnungspolitischer Ausblick mit Maren Kern (BBU)
- —9. November, 19 Uhr: Gesetzliche Instrumente zur Planungsbeschleunigung im Rahmen des Bauturbos
- —19. November, 18 Uhr: Gewerbe-Umnutzung und zirkuläres Bauen am Projektbeispiel Karstadt Wedding
Erhalt der baukulturellen Qualität im Beschleunigungsprozess
AIV-Vorstandsvorsitzender Christian Müller unterstreicht, dass die Wohnungsfrage nicht isoliert als Mengenproblem verstanden werden darf. Schnelligkeit und Wirtschaftlichkeit dürften nicht zu Lasten städtebaulicher und architektonischer Standards forciert werden. Vielmehr müssten Wege erschlossen werden, um schlankere und kostengünstigere Verfahren zu realisieren, ohne die langfristige Attraktivität und Funktionsfähigkeit von Stadtquartieren zu gefährden. Der AIV versteht die Reihe als Plattform für einen kontinuierlichen fachlichen Diskurs, der über reine Problemauflistungen hinausgeht.














