Die 5. Liebenauer Fachtage Immobilienverrentung, die am 16. und 17. September im Schloss-Saal der Stiftung Liebenau in Meckenbeuren stattfanden, zogen eine umfassende Bilanz über zwei Jahrzehnte der Immobilienverrentung in Deutschland. Die Veranstaltung adressierte die Frage, wie Immobilieneigentümer gebundenes Vermögen aus ihren Immobilien nutzen können, ohne das eigene Zuhause aufgeben zu müssen. Rund 50 Fachleute aus Verbraucherschutz, Finanzwirtschaft, Immobilienwirtschaft, Beratung und Politik nahmen an dem zweitägigen Fachforum teil.
Dr. Markus Nachbaur von der Stiftung Liebenau konstatierte zur Eröffnung, dass sich aus einem ursprünglich jungen Markt ein breites Spektrum an Möglichkeiten entwickelt habe, um Immobilienvermögen zu mobilisieren und gleichzeitig die Wohnsituation zu erhalten. Er betonte, dass Immobilienverrentung nach 20 Jahren kein Experiment mehr sei. Die weitere Entwicklung des Marktes erfordere verständliche Angebote, transparente Darstellungen von Chancen und Risiken sowie rechtssichere und ausgewogene Verträge.
Verbraucherperspektive und Marktstandards
Renate Daum von der Stiftung Warentest hob hervor, dass sich das Angebotsspektrum in den letzten 20 Jahren erheblich verbreitert hat, sodass heute unterschiedliche Bedürfnisse – von finanzieller Unterstützung bis zum Wunsch, möglichst lange im eigenen Zuhause zu verbleiben – abgebildet werden können. Sie identifizierte jedoch weiterhin Lücken, insbesondere bei Kreditlösungen für ältere Eigentümer und Angeboten zur dauerhaften Absicherung des Langlebigkeitsrisikos. Die Verständlichkeit der Produkte bleibe eine zentrale Herausforderung. Christoph Maurer von der INITIUM AG präsentierte ein Generationenmodell, welches lebenslange, grundbuchlich gesicherte Wohnrechte mit Kapitalanlage verbindet. Dieses ermöglicht älteren Eigentümern die Freisetzung von Immobilienvermögen bei gleichzeitiger altersgerechter Wohnsituation, während Kapitalanleger mit geringerem Eigenkapitaleinsatz in Wohnimmobilien investieren können.
Marcel Kirchmaier-Gaupp von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) analysierte die aktuelle Lage des Immobilienmarktes. Er wies auf steigende Marktzinsen, Inflationsdruck und höhere Energiepreise als Faktoren hin, die Finanzierungen erschweren und die Kreditnachfrage dämpfen. Der Wohnimmobilienmarkt habe sich nach den Preisrückgängen seit 2022 zwar stabilisiert, bleibe aber stark zinsabhängig. Kirchmaier-Gaupp sieht Wohnen innerhalb des Immobilienmarktes weiterhin als ein vergleichsweise defensives Segment mit grundsätzlich intakter Nachfrage.
Levin Freiherr von Elverfeldt von der EVG Erbbaugrund Verwaltungsgesellschaft mbH und Dirk Hotopp von der HausVorteil AG erläuterten das Erbbaurecht als eine weitere Form der Immobilienverrentung. Dieses Modell trennt Grundstück und Gebäude rechtlich, wobei das Grundstück veräußert wird, das Gebäude jedoch im Eigentum des ursprünglichen Besitzers verbleibt und weiterhin nutzbar, vererbbar und grundsätzlich beleihbar ist. Die Kombination aus Liquiditätsfreisetzung und langfristiger Planbarkeit bei Erhalt des Gebäudeeigentums wurde als Vorteil hervorgehoben. Rückkaufoptionen können zusätzliche Flexibilität bieten.
Die Rolle des Bundesverbands Immobilienverrentung
Thomas Weiss, Geschäftsführer von vobahome und Vorstand des Bundesverbands Immobilienverrentung (BVIV), resümierte die bisherige Verbandsarbeit. Er hob insbesondere die Etablierung gemeinsamer Marktstandards, Musterunterlagen, die Weiterentwicklung der Geeignetheitsprüfung, einen transparenteren Kostenausweis sowie die Qualifizierung von Beratern hervor. Der BVIV versteht Immobilienverrentung zunehmend als ein eigenständiges Beratungsfeld an der Schnittstelle von Immobilien-, Finanz- und Verbraucherberatung. Die Fähigkeit, unterschiedliche Lösungen verständlich zu vergleichen und auf individuelle Bedürfnisse abzustimmen, sei entscheidend.
- —Prüfung der individuellen Eignung
- —Verständliche Produkterläuterung
- —Transparente Kosten
- —Dokumentierte Beratung
Christoph Sedlmeier von der Stiftung Liebenau und ebenfalls Vorstand des BVIV, betonte abschließend, dass der Bedarf an solchen Lösungen angesichts des demografischen Wandels, steigender Pflege- und Sanierungskosten sowie erschwerter Finanzierungsmöglichkeiten voraussichtlich weiter wachsen wird. Immobilienverrentung sei primär ein Beziehungsgeschäft, bei dem die Lösung nicht nur beim Vertragsabschluss passen müsse, sondern auch bei veränderten Lebensumständen tragfähig sein sollte. Ein vielfältigerer und transparenterer Markt kann älteren Eigentümern hier Handlungsfähigkeit ermöglichen. Die Fachtage verdeutlichten, wie sich der Blick auf Immobilienverrentung in den letzten zwei Dekaden gewandelt hat; von einzelnen Produkten hin zu einem eigenständigen Beratungsfeld, das weniger das einzelne Modell, sondern die ganzheitliche Vermögensmobilisierung in den Mittelpunkt rückt.














